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Natriumhypochlorit

25. März 2025 von Lexikon

Natriumhypochlorit (NaClO) ist das Natriumsalz der Hypochlorigen Säure und kommt in der Regel in wässriger Lösung vor. Es besitzt einen charakteristischen chlorähnlichen Geruch und wird vor allem als Bleich- und Desinfektionsmittel verwendet. Wässrige Lösungen sind unter verschiedenen Trivialnamen bekannt, darunter Chlorlauge, Chlorbleichlauge oder Eau de Labarraque.

Chemische Eigenschaften und Stabilität

Natriumhypochlorit ist in reiner, wasserfreier Form instabil und neigt zur Zersetzung. Daher wird es bevorzugt als Pentahydrat gehandelt, das als blassgelber Feststoff relativ stabil bleibt. Bei Temperaturen unter −10 °C kristallisiert es aus wässrigen Lösungen aus. Das Anhydrat hingegen zerfällt bereits bei Erwärmung und setzt dabei Chlorgas sowie andere Reaktionsprodukte frei.

In Wasser dissoziiert Natriumhypochlorit in Hypochlorition (ClO⁻) und Natriumionen. In wässriger Lösung bildet sich ein Gleichgewicht mit Hypochloriger Säure (HClO), die als starkes Oxidationsmittel für die desinfizierenden und bleichenden Eigenschaften des Stoffes verantwortlich ist.

Gleichgewicht von Natriumhypochlorit in wässriger Lösung Die chemische Reaktion zeigt das Gleichgewicht zwischen Hypochlorition (ClO⁻), Hypochloriger Säure (HClO) und Hydroxidionen (OH⁻) in wässriger Lösung. ClO⁻ + H₂O ⇌ HClO + OH⁻
Gleichgewicht von Natriumhypochlorit in wässriger Lösung | eigene Darstellung, Lizenz: CC BY 4.0 – Namensnennung erforderlich

Herstellung von Natriumhypochlorit

Natriumhypochlorit wird industriell vor allem durch die Reaktion von Chlorgas mit Natronlauge hergestellt. Dabei entsteht neben Natriumhypochlorit auch Natriumchlorid und Wasser:

Industrielle Produktion von Natriumhypochlorit Die chemische Reaktion zeigt die industrielle Herstellung von Natriumhypochlorit durch Reaktion von Natriumhydroxid (NaOH) mit Chlorgas (Cl₂), wobei Natriumchlorid (NaCl), Natriumhypochlorit (NaOCl) und Wasser (H₂O) entstehen. 2 NaOH + Cl₂ → NaCl + NaOCl + H₂O
Industrielle Produktion von Natriumhypochlorit | eigene Darstellung, Lizenz: CC BY 4.0 – Namensnennung erforderlich

Alternativ kann Natriumhypochlorit auch durch Elektrolyse einer Natriumchlorid-Lösung gewonnen werden. Während dieses Prozesses entsteht Hypochlorige Säure als Zwischenprodukt, die mit der gebildeten Salzsäure weiter reagiert. Dieselbe chemische Reaktion wird auch zur Herstellung von Chloraten genutzt.

Anwendungen von Natriumhypochlorit

Desinfektion und Bleichmittel

Natriumhypochlorit wird hauptsächlich als Desinfektions- und Bleichmittel eingesetzt. In Schwimmbädern dient es zur Wasseraufbereitung, indem es organische Verunreinigungen oxidiert und Keime abtötet. Dabei muss die Dosierung sorgfältig erfolgen, um unerwünschte Nebenprodukte wie Monochloramine zu vermeiden, die zu typischen „Chlorgeruch“ führen und die Wasserqualität beeinträchtigen können.

Natriumhypochlorit. Sodium Hypochlorite and ethanol decontamination solutions | Ca.garcia.s, CC BY-SA 4.0, via Commons (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Laboratory_decontamination_bottles.jpg?uselang=de#file)
Sodium Hypochlorite and ethanol decontamination solutions | Ca.garcia.s, CC BY-SA 4.0, via Commons

Auch in Haushaltsreinigern ist Natriumhypochlorit ein bewährter Wirkstoff. Es findet sich in Bleichmitteln, Schimmelentfernern und Rohrreinigern und wird häufig als „mit Aktivchlor“ beworben. In Haushaltsprodukten liegt die Konzentration meist bei 5–7 %, während Pooldesinfektionsmittel 10–13 % enthalten.

Obwohl Natriumhypochlorit eine starke desinfizierende Wirkung hat, ist es nicht für die Händedesinfektion geeignet. Beim Hautkontakt entsteht Hypochlorige Säure, die oxidativ wirkt und die Haut reizen oder austrocknen kann. Daher empfiehlt der Verbund für angewandte Hygiene (VAH) stattdessen den Einsatz von Ethanol-basierten Desinfektionsmitteln für die Haut.

Medizinische Anwendungen

Neben der Flächendesinfektion wird Natriumhypochlorit auch in der Medizin verwendet. In der Zahnmedizin kommt es als Wurzelkanalspüllösung zum Einsatz, um Bakterien im Wurzelkanal zu eliminieren und das Risiko einer erneuten Infektion zu reduzieren.

In der Augenheilkunde wird Natriumhypochlorit zur Desinfektion von Tonometer-Messköpfchen genutzt, die den Augeninnendruck messen.

Eine weitere medizinische Anwendung betrifft die Dermatologie. Studien zeigen, dass stark verdünnte Bäder mit Natriumhypochlorit (0,005 %) die Symptome von atopischem Ekzem lindern können. Die antimikrobielle und entzündungshemmende Wirkung hilft dabei, Hautirritationen zu reduzieren.

Sicherheit und Gefahren von Natriumhypochlorit

Reaktionsverhalten

NaClO kann gefährliche Reaktionen eingehen. Besonders kritisch ist die Vermischung mit Säuren wie Salzsäure oder Salpetersäure, da hierbei Chlorgas freigesetzt wird. Auch mit organischen Substanzen oder Reduktionsmitteln kann es heftig reagieren, was zu Explosionen oder Bränden führen kann.

Lagerung und Handhabung

Da Natriumhypochlorit licht- und wärmeempfindlich ist, sollte es kühl und dunkel aufbewahrt werden. Beim Zerfall entstehen Chlorgas, Chlordioxid und Sauerstoff, was zu Druckaufbau in Behältern führen kann. Deshalb werden Lagerbehälter oft mit Druckausgleichsmembranen ausgestattet.

Freisetzung von Chlorgas Die chemische Gleichung zeigt, wie Hypochlorige Säure (HClO) mit Salzsäure (HCl) zu Chlorgas (Cl₂) und Wasser (H₂O) reagiert, was eine ernsthafte Gefahr darstellt. HClO + HCl ⇌ Cl₂ + H₂O
Freisetzung von Chlorgas | eigene Darstellung, Lizenz: CC BY 4.0 – Namensnennung erforderlich

Beim Kontakt mit der Haut wirkt Natriumhypochlorit stark reizend bis ätzend. In niedrigen Konzentrationen kann es bleichende Effekte haben, während höhere Konzentrationen zu Verätzungen führen. Daher wird von der Nutzung chlorhaltiger Desinfektionsmittel für die Haut abgeraten.

Fazit

Natriumhypochlorit ist ein vielseitiges chemisches Produkt mit wichtigen Anwendungen in der Desinfektion, Wasseraufbereitung und Reinigung. Trotz seiner nützlichen Eigenschaften muss es mit großer Vorsicht gehandhabt werden, da es mit vielen Substanzen gefährlich reagieren kann.

Der vorliegende Text stellt eine vollständig überarbeitete und neu strukturierte Fassung des Wikipedia-Artikels „Natriumhypochlorit“ dar. Er unterliegt der Lizenz CC BY-SA 3.0 und enthält keine inhaltlichen Ergänzungen über die Originalquelle hinaus. Stand: 25.03.2025

Kategorie: Lexikon Stichworte: Natriumhypochlorit

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