Polymerisation beschreibt chemische Reaktionen, bei denen kleine Moleküle, sogenannte Monomere, zu großmolekularen Verbindungen verknüpft werden. Diese Makromoleküle (molare Masse > 10.000 g·mol−1) bilden die Grundlage vieler Kunststoffe, aber auch biologisch wichtiger Substanzen wie Proteine oder DNA. Die IUPAC fasst unter dem Begriff Polymerisation sämtliche Polymerbildungsreaktionen zusammen. In der deutschsprachigen Literatur wird gelegentlich auch die Bezeichnung Polyreaktion verwendet.
Während die technische Polymerisation überwiegend der Kunststoffsynthese dient, verlaufen biologische Polymerisationen nach abweichenden und deutlich komplexeren Mechanismen.
Grundprinzipien der Polymerbildung
Alle Polymerisationen verlaufen nach dem gleichen Grundprinzip: Aus niedermolekularen Ausgangsverbindungen entstehen durch wiederholte Verknüpfung lange Ketten, die ein hohes Molekulargewicht erreichen. Der Verlauf dieser Reaktionen lässt sich grob in zwei Kategorien unterteilen: Kettenwachstumsreaktionen und Stufenwachstumsreaktionen.


Kettenwachstumsreaktionen
Bei der Kettenpolymerisation startet die Reaktion mit einer Initiierung, durch die ein aktives Zentrum entsteht. Dieses Zentrum kann ein Radikal, ein Kation, ein Anion oder ein koordinativer Metallkomplex sein. Von diesem aktiven Zentrum aus lagern sich die Monomere schrittweise an die wachsende Polymerkette an.
Abhängig vom Typ des aktiven Zentrums unterscheidet man verschiedene mechanistische Verläufe: die radikalische Kettenpolymerisation, die kationische Kettenpolymerisation, die anionische Kettenpolymerisation sowie die koordinative Kettenpolymerisation. Jeder dieser Mechanismen verläuft nach eigenen Gesetzmäßigkeiten, führt jedoch stets zu einem kettenartigen Wachstum.
Schon bei geringen Umsätzen entstehen hochmolekulare Produkte, während ein großer Teil der Monomere unverändert bleibt. Das Reaktionsgemisch enthält daher gleichzeitig Polymere und noch nicht umgesetzte Ausgangsstoffe.
Stufenwachstumsreaktionen
Das Stufenwachstum verläuft nach einem anderen Prinzip. Die Monomere besitzen mindestens zwei reaktive funktionelle Gruppen, die unabhängig voneinander reagieren können. Am Anfang bilden sich vor allem Dimere, Trimere und Oligomere. Erst bei nahezu vollständigem Umsatz der funktionellen Gruppen entstehen hochmolekulare Polymere.Das Stufenwachstum verläuft nach einem anderen Prinzip. Die Monomere besitzen mindestens zwei reaktive funktionelle Gruppen, die unabhängig voneinander reagieren können. Am Anfang bilden sich vor allem Dimere, Trimere und Oligomere. Erst bei nahezu vollständigem Umsatz der funktionellen Gruppen entstehen hochmolekulare Polymere.

Stufenwachstumsreaktionen lassen sich in zwei Unterarten gliedern:
Polyaddition
Bei der Polyaddition verbinden sich Monomere über Additionsreaktionen direkt miteinander. Dabei entstehen Dimere und Trimere, die ihrerseits weiter miteinander reagieren können. Ein Abspaltungsprodukt fällt dabei nicht an.
Polykondensation
Bei der Polykondensation laufen ähnliche Wachstumsprozesse ab, jedoch wird – wie der Name schon sagt – bei jedem Reaktionsschritt ein kleines Molekül wie Wasser oder Methanol abgespalten. Erst bei sehr hohem Umsatz bilden sich hochmolekulare Produkte.
Vergleich der Wachstumsmechanismen
Die beiden Reaktionstypen unterscheiden sich deutlich in Ablauf und Ergebnis. Bei der Kettenpolymerisation entstehen schon zu Beginn lange Ketten, während bei Stufenwachstumsreaktionen zunächst nur kleine Oligomere (kleine Anzahl an Monomeren) vorliegen. Außerdem ist für die Kettenpolymerisation ein Initiator oder spezieller Katalysator (z.B.: Ziegler-Natter) erforderlich, während Stufenwachstumsreaktionen auch ohne zusätzlichen Starter ablaufen können.
Das Molekulargewicht der Produkte hängt bei Kettenreaktionen kaum vom Umsatz ab, bei Stufenwachstumsreaktionen hingegen entscheidend. Zudem treten in Kettenreaktionen Abbruchreaktionen auf, die das Wachstum einzelner Ketten beenden können. In Stufenreaktionen erfolgt das Wachstum dagegen ohne Abbruch, solange noch funktionelle Gruppen reagieren können.
Sonderform: lebende Polymerisation
Die lebende Polymerisation stellt einen Spezialfall dar. Sie gehört zu den Kettenpolymerisationen, verläuft jedoch ohne Abbruchreaktionen. Dadurch wächst die mittlere Kettenlänge kontinuierlich an. Diese Methode erlaubt die Herstellung von Polymeren mit sehr gleichmäßigen Kettenlängen und definierten Strukturen, was für moderne Hochleistungskunststoffe von Bedeutung ist.
Biologische Polymerisationen
In Organismen spielen Polymerisationsreaktionen eine zentrale Rolle. So entstehen Proteine durch die Verknüpfung von Aminosäuren, wobei die mRNA als Matrize dient und in Ribosomen umgesetzt wird. Auch die DNA-Synthese beruht auf hochkomplexen Polymerisationsmechanismen, die eine exakte Übertragung der genetischen Information sicherstellen.
Im Unterschied zu technischen Reaktionen laufen biologische Prozesse in fein abgestimmten Systemen ab und beinhalten meist temporäre Komplexe mit Matrizen. Dadurch lässt sich die Struktur des entstehenden Polymers sehr präzise kontrollieren.
Technisch genutzt werden solche Mechanismen beispielsweise in der Polymerase-Kettenreaktion (PCR), die eine gezielte Vervielfältigung von DNA-Sequenzen erlaubt. Auch enzymatische Polymerisationen von Kunststoffen gehören zu den Verfahren, die biologische Prinzipien in die technische Anwendung übertragen.
Der vorliegende Text stellt eine vollständig überarbeitete und neu strukturierte Fassung des Wikipedia-Artikels „Polymerisation“ dar. Er unterliegt der Lizenz CC BY-SA 3.0 und enthält keine inhaltlichen Ergänzungen über die Originalquelle hinaus. Stand: 19.08.2025