
Recycling bezeichnet die Aufbereitung von nicht mehr gebrauchten Erzeugnissen und Materialien zu Sekundärrohstoffen, aus denen wieder Produkte entstehen. Die so gewonnenen Stoffe heißen Rezyklate. Der Begriff stammt aus dem Englischen, etymologisch aus dem griechischen kýklos für Kreis und dem lateinischen re für wieder. Im Rahmen der Kreislaufwirtschaft soll Recycling Stoffkreisläufe schließen oder verlangsamen, den Einsatz von Primärrohstoffen senken und Emissionen mindern. Rechtlich spricht man erst dann von Recycling, wenn der Ausgangsstoff als Abfall eingestuft war, andernfalls liegt Wiederverwendung vor.
Was rechtlich als Recycling gilt
Die europäische Abfallrahmenrichtlinie und das Kreislaufwirtschaftsgesetz definieren Recycling als Verwertungsverfahren, das Abfälle zu Erzeugnissen, Materialien oder Stoffen aufbereitet. Eingeschlossen ist die Behandlung organischer Abfälle, ausgeschlossen sind die energetische Verwertung und die Herstellung von Brennstoffen oder Verfüllmaterial. In der Abfallhierarchie haben Vermeidung und die Vorbereitung zur Wiederverwendung Vorrang vor Recycling, nachgelagert sind sonstige Verwertung und schließlich die Beseitigung in zugelassenen Anlagen. Die Praxis verwendet den Begriff Recycling häufig weiter gefasst und schließt umgangssprachlich auch Wiederverwendung ein. Aktuelle politische Initiativen betonen Reparatur und Sanierung als eigenständige Priorität.
Qualitätsveränderung im Kreislauf

Welche Qualität Rezyklate erreichen, hängt von Produktgestaltung, Sammelsystem und Aufbereitungstechnik und Material ab. Vermischte oder verschmutzte Stoffströme führen oft zu einer Minderung der Materialeigenschaften, was als Downcycling bezeichnet wird. Upcycling bedeutet die Umwandlung in höherwertige Produkte, häufig handelt es sich dabei jedoch rechtlich um Vorbereitung zur Wiederverwendung. Kunststoffe neigen bei Nutzung und Wiederaufbereitung zur Degradation, was sortenreine Erfassung und Stabilisatoren besonders wichtig macht. Bei hoher Ausgangsqualität lassen sich in Einzelfällen Eigenschaften in der Nähe von Primärware erzielen. Grenzen des Recyclings zeigen jedoch besonders komplexe Stoffsysteme. Kernbrennstoffe lassen sich nicht vollständig recyceln; nach der Abtrennung der Spaltprodukte können einzelne Komponenten erneut genutzt werden.
Von der Wiederverwertung zur Kreislaufwirtschaft
Recycling begleitet die Menschheitsgeschichte seit Jahrtausenden. Die frühesten Nachweise stammen aus der Qesem-Höhle bei Tel Aviv, wo Menschen kleine Feuersteinwerkzeuge offenbar systematisch wiederverwendeten. In der Antike nutzte man pflanzliche und tierische Abfälle als Dünger, bereitete Baustoffe wieder auf und recycelte Metalle vielfach. Glasbruch senkte die Schmelztemperatur, beeinflusste jedoch die Qualität. Im Mittelalter verhinderten Knappheit und handwerkliche Routinen eine Wegwerfmentalität, Lumpensammler und Rücknahmesysteme etablierten frühe Stoffkreisläufe. 1774 wurde ein Verfahren zum Deinken von Papier entwickelt. Mit der Industrialisierung wuchsen Abfallmengen, Müllverbrennungsanlagen und industrielle Sortierbetriebe entstanden. Kriegszeiten förderten Rohstoffsammlungen. In der konsumorientierten Nachkriegszeit führten steigende Mengen an kurzlebigen Gütern zu Entsorgungsproblemen. Seit den siebziger Jahren lenkten Umweltbewegung, Rohstoffknappheit und technologische Fortschritte den Fokus wieder auf Verwertung. Heute rücken seltene und kritische Elemente aus Elektro und Elektronik in den Mittelpunkt, da ihre Gewinnung aufwendig ist und Recycling zur Versorgungssicherheit beitragen kann.
Rohstoffrückgewinnung in der Praxis
Kunststoffe: werkstofflich oder chemisch

Beim Kunststoffrecycling unterscheidet man werkstoffliche und chemische Routen. Werkstoffliches Recycling erhält die Polymerstruktur und verbraucht deutlich weniger Energie als chemische Verfahren, die Polymere in Monomere oder Grundstoffe zerlegen und neu aufbauen. In Deutschland verwertete man den größten Anteil der Kunststoffabfälle werkstofflich, während nur ein deutlich kleinerer Teil rohstofflich genutzt wurde. Produktionsabfälle lassen sich vergleichsweise unkompliziert wieder einführen, Post Consumer Abfälle erfordern Sortierung und mehrstufige Aufbereitung mit Zerkleinerung, Trennverfahren, Waschen und Granulierung. Der spezifische Energiebedarf für die werkstoffliche Aufbereitung liegt typischerweise im niedrigen zweistelligen Megajoulebereich je Kilogramm. Stark vermischte oder verschmutzte Ströme werden chemisch oder energetisch genutzt, etwa in Zementwerken oder Müllverbrennungsanlagen.
Metalle: Schmelze und Sortierung
Metalle werden aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen in hohem Maß recycelt, da Umschmelzen wesentlich weniger Energie benötigt als die Primärgewinnung. Qualitätsverluste drohen, wenn Schrott mit unterschiedlichen Legierungen vermischt wird. Der typische Prozess umfasst Zerkleinerung, mechanische und sensorische Trennung, Magnetscheidung und Wirbelstromscheidung, anschließend das Einschmelzen in Lichtbogen oder Induktionsöfen mit Schmelzebehandlung. Legierungselemente werden gezielt eingestellt oder Störstoffe entfernt, gewisse Elemente lassen sich jedoch nur mit großem Aufwand separieren.
Stahl als Kreislaufwerkstoff
Stahl ist der weltweit am häufigsten recycelte Industriewerkstoff. Ein erheblicher Teil des Rohstahls entsteht aus Schrott, viele Anwendungen erreichen Recyclingquoten von mehr als neunzig Prozent. Der Einsatz von Stahlschrott senkt den Energiebedarf deutlich und reduziert den Ausstoß von Kohlendioxid. Beschichtungen und Legierungselemente wie Chrom, Nickel oder Zink sowie Kupfer aus Elektrogeräten können das Recycling stören und erfordern angepasste Prozessführung.
Kupfer im Dauerkreislauf

Kupfer ist ohne Qualitätsverlust beliebig oft recycelbar. Produktionsreste und sortenreiner Schrott werden direkt eingeschmolzen. Heterogene Rohstoffe wie Kabel erfordern Vorbehandlung und nachfolgende pyrometallurgische und elektrolytische Schritte, mit denen Reinheiten weit über 99 Prozent erreichbar sind. Ein beträchtlicher Anteil des Bedarfs wird in Europa aus Recycling gedeckt, in Deutschland liegt der Wert noch höher.
Aluminium mit kleinem Energiebedarf
Sortenreines Aluminium lässt sich ohne Qualitätsverlust recyceln, Vermischungen führen zum Downcycling, da sich Legierungselemente nur begrenzt entfernen lassen. Sensorbasierte Sortierung wie LIBS (Laser-Induced Breakdown Spectroscopy) erleichtert die Trennung von Legierungen. Recyceltes Aluminium benötigt nur einen kleinen Bruchteil der Energie der Primärerzeugung und vermeidet große Teile der Treibhausgasemissionen. Ein signifikanter Anteil der Weltproduktion stammt bereits aus Sekundärmaterial, ein sehr großer Teil des jemals erzeugten Aluminiums ist noch im Umlauf.
Glas braucht Farbtrennung
Glas kann beliebig oft eingeschmolzen werden, entscheidend ist die Reinheit und die Farbtrennung von Weiß, Braun und Grün. Fehlfarben beeinträchtigen die Produktqualität, daher werden Glasverpackungen getrennt erfasst. In Europa sind die Sammelraten hoch, wobei zwischen Sammlung und tatsächlichem Recycling unterschieden werden muss. Der Rezyklatanteil ist bei Grünglas am höchsten, bei Weißglas niedriger.
Papierfasern im Mehrfachumlauf
Papierrecycling bereitet Altpapier zu Sekundärfaserstoff auf. Man kann die Fasern mehrfach wiederverwenden, doch sie verlieren mit jedem Zyklus an Länge und Festigkeit, sodass eine Beimischung von Frischfasern nötig ist. Die Aufbereitung umfasst Auflösen, Reinigung, Deinking und Siebung. Recyclingpapier benötigt deutlich weniger Energie und Wasser und verursacht geringere Treibhausgasemissionen als Frischfaserpapier. In Europa sind Einsatz und Verwertungsquoten hoch, gleichzeitig können sich bei wiederholten Kreisläufen Schadstoffe wie Mineralölbestandteile, PFAS, Bisphenol S und Phthalate anreichern, was Anforderungen an Lebensmittelkontaktmaterialien berührt.
Gemischte Stoffströme im Überblick
Fahrzeuge am Lebensende
Beim Fahrzeugrecycling stehen Metalle im Vordergrund. Fachbetriebe entnehmen zuerst Betriebsflüssigkeiten, sicherheitsrelevante Bauteile und verwertbare Komponenten, danach folgen Verdichtung, Schreddern und Trennung in Eisen, Nichteisenmetalle und eine leichte Fraktion. In der Europäischen Union gelten anspruchsvolle Vorgaben für Recycling und Verwertung bezogen auf die Fahrzeugmasse. Deutschland erfüllt die Recyclingquote, verfehlte die Verwertungsquote zeitweise, erreichte sie später jedoch wieder. Fahrzeuge mit unbekanntem Verbleib, die illegal demontiert oder exportiert werden, stellen ein Problem dar, dem neue Regelungen entgegenwirken sollen.
Elektroschrott: wertvoll und riskant

Elektroschrott wächst weltweit am schnellsten unter den Abfallströmen. Er enthält viele Wertstoffe, gleichzeitig gesundheits und umweltgefährdende Substanzen. Je nach Gerät sind bis zu mehrere Dutzend Elemente enthalten, die prinzipiell rückgewinnbar sind. Kunststoffanteile lassen sich wegen Duromeren, Additiven und Flammschutzmitteln nur zu einem kleineren Teil stofflich verwerten. Die WEEE Richtlinie verpflichtet in der EU zur getrennten Sammlung und zur Finanzierung durch Hersteller. In Deutschland werden die Sammelquoten derzeit verfehlt, einzelne Länder erreichen die Ziele. Für Gerätekategorien gelten Mindestanforderungen an Verwertung sowie an Wiederverwendung und Recycling, die Deutschland und Österreich einhalten.
Batterien: von Blei bis Lithium
Altbatterien unterliegen in Mitteleuropa Rücknahme und Sammlung. Ziel ist die Rückgewinnung von Sekundärrohstoffen und die Entlastung der Umwelt von Giftstoffen wie Blei, Nickel, Cadmium, Quecksilber und Elektrolyten. Man trennt Gerätebatterien nach Systemen und behandelt sie mit geeigneten Schmelz- oder Destillationsverfahren. Nach der Entsäuerung zerkleinert man Blei-Säure-Akkumulatoren, reduziert und raffiniert Bleipaste sowie Gitter zu Rohblei und bereitet die Kunststoffgehäuse zu Polypropylen-Rezyklat auf und dadurch lassen sich hohe Rückgewinnungsraten erreichen. Problematisch ist unsachgemäße Verwertung in manchen Ländern, die erhebliche Schäden verursacht. Lithium Ionen Akkus sind aufgrund ihrer Vielfalt und Komplexität eine besondere Herausforderung. Nach Entladung und thermischer Deaktivierung kombiniert die Industrie mechanische, hydro und pyrometallurgische Schritte. Theoretisch sind hohe stoffliche Rückgewinnungsraten möglich, die wirtschaftliche Umsetzung hängt von Rücklaufmengen und Energieeinsatz ab. EU Recht setzt Sammelziele und Mindesteffizienzen je Batterietyp, die Quoten unterscheiden sich zwischen den Staaten.
Ökonomische Einordnung
In neoklassischen Modellen erscheint Recycling kaum, da sie lineare Produktionsprozesse mit Nutzenmaximierung unterstellen. Zyklische Produktionsmodelle, etwa die Theorie der Kuppelproduktion, bilden Nebenprodukte und Abfälle als Kuppelgüter ab. Werden Abfälle als Rohstoffe in Kreisläufe zurückgeführt, ändern sich ihre Preise von negativ zu positiv. Recycling wird damit zu einem produktiven Bestandteil der Wertschöpfung.
Länderspezifische Umsetzung
Österreich: Sammel und Verwertungssysteme

Recycling ist im Abfallwirtschaftsgesetz verankert. Genehmigte Sammel und Verwertungssysteme wie die ARA im Verpackungsbereich und Fachverbände wie der Baustoff Recycling Verband vernetzen Erzeuger, Sammler und Verwerter. Österreich verfügt über eine starke Metall und Holzverwertung, inklusive großem Anteil importierter Schrotte und etablierter Quellensortierung von Altholz für hochwertige Werkstoffe und energetische Nutzung. Das organische Recycling über Kompostierung und Vergärung erreicht überdurchschnittliche Quoten, private Kompostierung ergänzt die Statistik. Das Baustoffrecycling erreicht in kurzer Zeit sehr hohe Anteile. Die Quoten im werkstofflichen Recycling von Siedlungsabfällen steigen. Seit 1. Jänner 2025 werden Kunststoff- und Metallverpackungen bundesweit einheitlich in Gelber Tonne/Gelbem Sack gesammelt; zugleich gilt ein Einwegpfand (25 Cent) auf Einweg-Kunststoffflaschen und Getränkedosen. Diese Maßnahmen verbessern Erfassung und Qualität der Rezyklate spürbar; Herausforderungen bleiben v. a. bei Verbundmaterialien und Fehlwürfen.
Deutschland: Systeme und Quoten
Ab den fünfziger Jahren baute die DDR ein flächendeckendes System zur Erfassung und Aufbereitung von Altstoffen auf, das später im Kombinat SERO gebündelt wurde. In der Bundesrepublik erweiterte man den rechtlichen Rahmen seit den siebziger Jahren. Die Verpackungsverordnung von 1991 übertrug die Verantwortung für Verpackungsabfälle auf Hersteller und Handel und etablierte duale Systeme mit getrennter Sammlung von Leichtverpackungen, Altglas und Altpapier. Das Kreislaufwirtschafts und Abfallgesetz verankerte Vermeidung und Verwertung als Priorität. Kennzeichnungen wie der Recycling Code erleichtern die Materialtrennung. Für Altfahrzeuge, Batterien und Elektrogeräte schuf man spezifische Regelungen. Seit 2017 besteht eine Pflicht zur Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm mit Übergangsfristen bis in die nächste Dekade. Die DPG organisiert das Pfandsystem für Einweggetränkeverpackungen zentral und erzielt damit sehr hohe Rücklaufquoten für PET-Flaschen und Dosen. Bottle to Bottle Anwendungen wachsen, technische Grenzen bestehen etwa bei Weißblech ohne Entzinnung.
Der vorliegende Text stellt eine vollständig überarbeitete und neu strukturierte Fassung des Wikipedia-Artikels „Recycling“ dar. Er unterliegt der Lizenz CC BY-SA 3.0 und enthält keine inhaltlichen Ergänzungen über die Originalquelle hinaus. Stand: 27.08.2025