Der Summit Industrie 4.0 rückte in Klagenfurt jene Themen in den Mittelpunkt, die für die industrielle Entwicklung Österreichs entscheidend sind. Automatisierung, digitale Schlüsseltechnologien und Qualifikation wurden als wesentliche Treiber identifiziert, um die Wettbewerbsfähigkeit des Produktionssektors zu erhalten. Die Plattform Industrie 4.0 begleitet diesen Wandel seit zehn Jahren und versammelte Vertreter:innen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Sozialpartnerschaft, um aktuelle Herausforderungen und Transformationsschritte gemeinsam zu beleuchten.

Im Zentrum steht der Ansatz der „Triple Transformation“, der digitale, nachhaltige und soziale Dimensionen zusammenführt. Die Plattform bündelt dafür Expertise aus mehreren hundert Fachleuten und stärkt die Nutzung neuer Technologien und datenbasierter Ökosysteme. Der Summit Industrie 4.0 machte sichtbar, wie eng technologische Innovationen, Kreislaufwirtschaftskonzepte und Menschenzentrierung miteinander verknüpft sind und welche Bedeutung dies für die Weiterentwicklung des Industriestandorts besitzt.
Digitale Schlüsseltechnologien als Fundament der Transformation
Digitale Schlüsseltechnologien bilden die Basis für die Weiterentwicklung der Industrie. KI und Daten, Mikroelektronik, Quanten und Photonik sowie moderne Produktionstechnologien und Materialwissenschaften eröffnen im Zusammenspiel Potenziale, die von intelligenten Produkten über effiziente Fertigung bis hin zu datengetriebenen Geschäftsmodellen, transparenten Lieferketten oder Energieoptimierung reichen. Der Themenschwerpunkt Neue Technologien und Innovation bewertet diese Trends und zeigt mit industriellen Use Cases die Umsetzung in der Praxis.
Gleichzeitig bündelt der Themenschwerpunkt Nachhaltige Produktion Aktivitäten zu erneuerbaren Energien, Ökodesign und Kreislauforientierung. Ein zentraler Bestandteil ist der Digitale Produktpass, der einen Datenaustausch entlang der Lieferkette ermöglicht und Optimierungspotenziale schafft. Beim Summit Industrie 4.0 wurden diese technologischen und ökologischen Aspekte in ihrem Zusammenspiel präsentiert und verdeutlichten die Breite der Transformationsanforderungen.
Arbeit 5.0 und Qualifikation im industriellen Wandel
Die Plattform Industrie 4.0 widmet sich der Arbeit 5.0 und damit der Schnittstelle von Mensch, Organisation und Technologie. Menschenzentrierung spielt eine zentrale Rolle, etwa in Projekten wie Digital Pioneers, die junge Frauen für technische Berufe motivieren, oder der Kampagne Mission: Futurejob, die technische Berufsbilder sichtbar macht. Das internationale Projekt BRIDGES 5.0 rückt Fähigkeiten in den Fokus, die für die industrielle Arbeitswelt von morgen benötigt werden.
Auch beim Einsatz künstlicher Intelligenz steht Qualifikation im Vordergrund. Unternehmen sollen Belegschaften und Betriebsräte frühzeitig einbinden und umfassend informieren, während die Politik Rahmenbedingungen für erfolgreiches Arbeiten mit KI schaffen soll. Datenschutz und Aus- und Weiterbildung sind dabei wesentliche Aspekte. Diese sozialen Dimensionen der Transformation wurden beim Summit Industrie 4.0 intensiv diskutiert und unterstrichen die Bedeutung eines aktiven Gestaltungsprozesses.
Programme und regionale Initiativen für den Produktionsstandort
Zur Unterstützung von Unternehmen bietet die Plattform Industrie 4.0 das Programm DIVE an, das insbesondere dem Mittelstand den Einstieg in digitale Entwicklungen erleichtert. Mit AI5Production entstand ein Leuchtturmprojekt, das produzierende Unternehmen bei der risikofreien Erprobung neuer Technologien begleitet und bereits mehr als 150 Pilotprojekte ermöglicht hat. Die Fortsetzung erfolgt mit AI5Innovation. Diese Initiativen stehen im engen Zusammenhang mit den Inhalten des Summit Industrie 4.0 und verdeutlichen praktische Transformationspfade.
In Kärnten wird sichtbar, wie regionale Akteure Technologie, Forschung und Wirtschaft vernetzen. Der Lakeside Science & Technology Park in Klagenfurt, der High Tech Campus Villach und der entstehende Technologiepark St. Paul im Lavanttal bilden ein Innovationsdreieck. Forschungseinrichtungen wie Joanneum Research, die Lakeside Labs, Silicon Austria Labs oder das Kompetenzzentrum Holz verbinden Forschung und Anwendung, um Ergebnisse schneller in die Praxis zu überführen. Diese Beispiele zeigen, wie regionale Aktivitäten die industrielle Weiterentwicklung unterstützen.
Politische Rahmenbedingungen für die industrielle Zukunft
Das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur setzt im Rahmen des Regierungsprogramms und des Pakts für Forschung, Technologie und Innovation wichtige Maßnahmen für die Industrie in Österreich. Dazu zählen Investitionen in Technologiekompetenzen, Förderung industrienaher Einrichtungen wie AIT, SAL oder Comet-Zentren und Unterstützung hochinnovativer Unternehmensprojekte. Eine Transformationsoffensive stärkt österreichische Stärkefelder in Energie-, Umwelt-, Mobilitäts- und Weltraumtechnologien.

Ergänzend treibt eine Schlüsseltechnologie-Offensive die Entwicklung grundlegender KETs voran. Durch das Zusammenspiel dieser Technologien mit industrieller Expertise sollen neue Stärkefelder entstehen. Mehr als 600 Mio. Euro pro Jahr stehen für diese Maßnahmen zur Verfügung. Das Ministerium betont die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Plattform Industrie 4.0, die als Gründungsmitglied maßgeblich zur menschenzentrierten Digitalisierung beiträgt. Auch beim Summit Industrie 4.0 wurde die Bedeutung dieser Kooperation hervorgehoben.
Zehn Jahre Plattformarbeit und Ausblick
2025 markiert das zehnjährige Bestehen der Plattform Industrie 4.0. Seit der Gründung durch das Bundesministerium und die Sozialpartner etablierte sich der Verein als Kompetenzträger für Industrie 4.0. Expert:innengruppen, Positionspapiere und Pilotfabriken prägten die frühen Jahre. Heute stehen Themen wie KI, Datenräume, digitaler Produktpass, Cyber Resilience Act und Industrie 5.0 im Mittelpunkt.
Der Summit Industrie 4.0 zeigt jährlich, wie diese Inhalte weiterentwickelt werden und wie der Austausch zwischen Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Sozialpartnerschaft zur industriellen Transformation beiträgt. Mit 65 Mitgliedern begleitet die Plattform nationale und europäische Leitprojekte und stärkt Forschung, Innovation und Qualifikation für eine zukunftsfähige Industrie.
Programm und Einblicke beim Summit Industrie 4.0
Der Summit Industrie 4.0 fand in seiner neunten Ausgabe im Lakeside Science & Technology Park in Klagenfurt statt und bot der heimischen Industrie-Community ein abwechslungsreiches Programm. Die Veranstaltung widmete sich Themen rund um den Industriestandort, Schlüsseltechnologien und den Ausbau des Wirtschaftsstandorts Österreich. Am Vormittag hielt Assoc.-Prof.in Maria Eichlseder vom Institute of Information Security der TU Graz eine Keynote zu „Kryptographie – Sichere Kommunikation für alle?“. Am Nachmittag folgte Stefan Dietl, Head of Global Vocational Education bei Festo, mit einem Beitrag zum Thema „Auf dem Weg zur Ausbildung 5.1“. Ergänzend wurden zahlreiche Industrie-4.0-Use-Cases präsentiert, darunter das Schüler:innen-Projekt „Tech-Lab – Zukunftskompetenzen in Aktion“ des Alpen-Adria-Gymnasiums Völkermarkt sowie die Verleihung des ÖWGP-Zukunftspreis 2025 zum Thema „Innovative Produktion als Beitrag zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit“.
Das Programm des Summit Industrie 4.0 wurde durch weitere Use Cases aus Kärnten und ganz Österreich abgerundet. Die Veranstaltung stand zugleich im Zeichen des zehnjährigen Bestehens der Plattform Industrie 4.0 Österreich. Thomas Welser betonte, dass dieses Jubiläum gemeinsam mit zahlreichen engagierten Interessierten in Klagenfurt gefeiert wurde und die Gelegenheit bot, einen Blick auf kommende Entwicklungen und Chancen von Industrie 4.0 zu werfen.