ie Kreislaufwirtschaft nimmt in der kürzlich veröffentlichten Industriestrategie einen zentralen Stellenwert ein. Die Verankerung dieses Ansatzes wird vom Senat der Kreislaufwirtschaft, einem vom ARA Verein getragenen Zusammenschluss österreichischer Unternehmen, als wichtiger Schritt bewertet, um die Rohstoffsicherheit und Wettbewerbsfähigkeit Österreichs zu stärken und zugleich Klima- und Umweltschutz zu unterstützen.

Österreich verfügt im Bereich der Kreislaufwirtschaft bereits über umfassende Forschungsprojekte, zukunftsweisende Verfahren sowie etablierte Prozesse und zählt damit zu den Spitzenreitern der Europäischen Union. Die Industriestrategie trägt dazu bei, diese Position weiter auszubauen, indem sie zentrale Herausforderungen wie Rohstoffknappheit und steigende Preise adressiert und auf die Stärkung von Schlüsseltechnologien, neuen Geschäftsmodellen sowie klaren rechtlichen Rahmenbedingungen setzt.
Kreislaufwirtschaft als strategischer Hebel für Rohstoffsicherheit und Industrie
In Zeiten zunehmender Rohstoffknappheit und steigender Preise kommt der Kreislaufwirtschaft eine zentrale wirtschaftliche Funktion zu. Sie ermöglicht es, Materialien effizienter zu nutzen, Abhängigkeiten von Primärrohstoffen zu reduzieren und industrielle Wertschöpfung resilienter zu gestalten. Die Industriestrategie greift dieses Potenzial auf und verankert die Kreislaufwirtschaft als wesentlichen Bestandteil der industriellen Entwicklung Österreichs.
Die geplante Stärkung von Schlüsseltechnologien und neuen Geschäftsmodellen wird dabei als entscheidend angesehen. Österreich verfügt im Bereich der Umwelt- und Kreislauftechnologien bereits über umfassende Forschungsprojekte, zukunftsweisende Verfahren sowie etablierte Prozesse. Diese Ausgangsbasis ermöglicht es, bestehende Strukturen gezielt weiterzuentwickeln und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts nachhaltig zu sichern.
ARA Vorstandssprecher Harald Hauke betont die wirtschaftspolitische Bedeutung dieser Ausrichtung:
„Wir begrüßen es ausdrücklich, dass die Kreislaufwirtschaft ein wesentlicher Bestandteil der Industriestrategie ist. Kaum eine andere Branche wächst derzeit so stark wie die Circular Economy. Die Regierung hat dieses Potenzial erkannt und stellt die Weichen, die Rohstoffunabhängigkeit Österreichs voranzutreiben. Zudem stärken die geplanten Maßnahmen den Wirtschaftsstandort sowie die Wettbewerbsfähigkeit und leisten nicht zuletzt einen wichtigen Impact für den Klima- und Umweltschutz.“
Schlüsseltechnologien, Sekundärrohstoffe und digitale Ressourcenplattformen
Ein wesentlicher Fokus der Industriestrategie liegt auf der Weiterentwicklung technologischer und struktureller Voraussetzungen für zirkuläres Wirtschaften. Dazu zählt insbesondere der angekündigte Aufbau digitaler Ressourcenplattformen für den Handel mit Sekundärrohstoffen. Diese sollen Transparenz schaffen, Materialströme effizienter lenken und den Zugang zu wiedergewonnenen Rohstoffen erleichtern.
Gerade für die Sicherung strategischer Rohstoffe eröffnet die Kreislaufwirtschaft damit neue Handlungsspielräume. Der Bedarf an Sekundärrohstoffen wird bis 2030 deutlich ansteigen, weshalb funktionierende Märkte und verlässliche Infrastrukturen als entscheidend gelten. Die Industriestrategie setzt hier an, indem sie Innovationen fördert und die Voraussetzungen für neue Formen der Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungsketten schafft.
Aus Sicht der Industrie sind dabei klare rechtliche Vorgaben und Planungssicherheit zentrale Erfolgsfaktoren. Investitionen in Anlagen, Prozesse und neue Geschäftsmodelle benötigen langfristige Verlässlichkeit. Die vorgesehenen Maßnahmen werden daher als wichtiger Schritt bewertet, um die Rahmenbedingungen für effizientes zirkuläres Wirtschaften zu verbessern.
Wachstumspotenzial und Rolle des Senats der Kreislaufwirtschaft
Das wirtschaftliche Potenzial der Kreislaufwirtschaft wird auch mit Blick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung deutlich. Bis 2030 könnten laut Studien insgesamt mehr als 35 Milliarden Euro heimische Bruttowertschöpfung generiert werden.1 Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und ihrer regionalen Auswirkungen gewinnt dieses Potenzial zusätzlich an Bedeutung.
Der Senat der Kreislaufwirtschaft, ein vom ARA Verein getragener Zusammenschluss österreichischer Unternehmen, begrüßt daher die Verankerung der Kreislaufwirtschaft in der Industriestrategie als wichtigen Schritt zur Erschließung dieses Potenzials. Bereits bei seiner Gründung im Jahr 2024 hatte der Senat verbesserte Rahmenbedingungen für die Circular Economy gefordert, die für Wirtschaftswachstum, Rohstoffunabhängigkeit und Ressourceneffizienz essenziell sind.
Alfred Berger, Vorstand der NÖM AG und Mitglied des Senats der Kreislaufwirtschaft, unterstreicht die industrielle Perspektive: „Rohstoffsicherheit und Wettbewerbsfähigkeit sind entscheidende Säulen der produzierenden Industrie. Die Kreislaufwirtschaft ist unsere Chance, diese Aspekte nachhaltig zu sichern und damit den Wirtschaftsstandort Österreich zu stärken. Als Teil der Industriestrategie kann die Kreislaufwirtschaft dieses Potenzial entfalten, um die Leistungsfähigkeit Österreichs in diesem Sektor umfassend auszubauen. Wir befinden uns im EU-Vergleich bereits auf einem sehr guten Weg, den wir auch in Zukunft entschlossen vorangehen werden.“
Auch langfristige Investitionsentscheidungen spielen eine zentrale Rolle. Haimo Primas, CEO Holcim Österreich und Holcim Cement CE Holding sowie Mitglied des Senats der Kreislaufwirtschaft, betont:
„Wir müssen heute entscheiden, welche Investitionen wir für 2050 treffen. Dazu braucht es Planungssicherheit, Verlässlichkeit und Klarheit. Die Industriestrategie setzt dafür wichtige Impulse, auf die konkrete Maßnahmen folgen müssen. Für uns in der produzierenden Industrie ist klar, dass wir weiterhin unsere Net-Zero-Roadmap verfolgen. Durch Lead-Märkte für nachhaltige Produkte könnten hier noch weitere Anreize geschaffen werden.“
Weitere Schritte und bestehende Herausforderungen
Trotz der positiven Bewertung der Industriestrategie sieht der Senat der Kreislaufwirtschaft weiterhin Handlungsbedarf. Insbesondere bürokratische sowie technisch-regulatorische Hürden gelten als Hemmnisse für effizientes zirkuläres Wirtschaften. Um das volle Potenzial der Kreislaufwirtschaft zu heben, sind aus Sicht der beteiligten Unternehmen weitere Anpassungen notwendig.
Harald Hauke fasst diese Perspektive zusammen: „Mit dem Senat der Kreislaufwirtschaft haben wir es uns zum Ziel gemacht, nachhaltige Wertschöpfungsketten zu schaffen, Ressourcen effizienter zu nutzen und innovative Lösungen zu entwickeln, die ökonomische und ökologische Vorteile für Österreich bringen. Wir freuen uns darüber, dass unsere Themen Teil der Industriestrategie sind. Dennoch gibt es noch viel zu tun. Vor allem bürokratische und technisch-regulatorische Hürden sind Hindernisse für effizientes zirkuläres Wirtschaften.“
Der Senat der Kreislaufwirtschaft setzt sich als Zusammenschluss österreichischer Unternehmen für die Etablierung und Förderung der Kreislaufwirtschaft in Österreich ein und gestaltet diese als engagierter Partner und Vertreter der Wirtschaft aktiv mit.
- PwC-Studie in Zusammenarbeit mit dem Senat der Kreislaufwirtschaft (2024) ↩︎