Zum 1. Januar 2026 übernimmt Ragnar Warnecke den Vorsitz der VDI/DIN-Kommission Reinhaltung der Luft (KRdL) und setzt damit die Arbeit eines Gremiums fort, das seit Jahrzehnten zentrale Standards der Luftreinhaltung verantwortet. Er folgt damit auf Dr. Jörg Hellhammer, ehemals Evonik Industries Marl, der dieses Amt seit 2020 innehatte. Mit der erneuten Wahl von Isabelle Franzen-Reuter zur stellvertretenden Vorsitzenden entsteht ein Führungsteam, das Kontinuität und fachliche Breite verbindet.

In der bevorstehenden Amtszeit rücken insbesondere die langfristige Weiterentwicklung technischer Richtlinien und ein standardisiertes Vorgehen in den Mittelpunkt. Ragnar Warnecke betont die Bedeutung nachvollziehbarer und konsensbasierter Prozesse, die durch die Expertise haupt- und ehrenamtlicher Fachleute getragen werden. Die KRdL bildet dafür seit Jahrzehnten den zentralen institutionellen Rahmen.
Ragnar Warneckes fachliche Grundlage
Ragnar Warnecke zählt seit vielen Jahren zu den prägenden Persönlichkeiten der thermischen Abfallbehandlung. Nach beruflichen Stationen in der Energie- und Umwelttechnik wechselte er 2003 zur GKS-Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt GmbH, wo er als Geschäftsführer das Kohle-Heizkraftwerk und die Müllverbrennungsanlage verantwortet. Seit über zwei Jahrzehnten optimiert er dort Prozesse wie Feuerungsbetrieb und Kesseltechnik, wobei Klimaschutz und Nachhaltigkeit zentrale Schwerpunkte bilden.
Seine technische Detailkenntnis verbindet sich mit strategischer Erfahrung, da er zusätzlich Betreibergemeinschaften thermischer Abfallbehandlungsanlagen in Bayern und deutschlandweit vorsteht. Diese Doppelperspektive aus operativer Verantwortung und Branchenkoordination prägt seine Sicht auf normative Anforderungen und ermöglicht es ihm, praktische und regulatorische Aspekte der Luftreinhaltung zusammenzuführen.
Langjähriges Engagement innerhalb der KRdL
Seit 2006 engagiert sich Ragnar Warnecke ehrenamtlich in Beirat, Vorstand und Lenkungsgremien der KRdL. Seine Beiträge zu VDI-Richtlinien der Emissionstechnik und Terminologie zeigen seine tiefe Vertrautheit mit der Normungsarbeit. Diese kontinuierliche Mitarbeit bildet eine wesentliche Grundlage seiner erneuten Berufung als Vorsitzender und unterstützt den Anspruch, die bestehende Regelsetzung weiterzuentwickeln.
Auch Isabelle Franzen-Reuter, Professorin an der Fachhochschule Münster, trägt als stellvertretende Vorsitzende zur Stabilität des Gremiums bei. Mit Beginn ihrer dritten Amtszeit bringt sie erneut wissenschaftliche Expertise und Erfahrung aus der Gremienarbeit ein. Die enge Zusammenarbeit mit Ragnar Warnecke stärkt die inhaltliche Breite des Leitungsteams.
Aufgaben und Aufbau der KRdL
Die KRdL ist eine gemeinsame Einrichtung von VDI und DIN und übernimmt staatsentlastende Aufgaben im Bereich der Luftreinhaltung. Etwa 1.300 ehrenamtliche Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung arbeiten in rund 180 Arbeitsgruppen an der Entwicklung und Aktualisierung technischer Standards. Die thematische Breite reicht von Umweltschutztechnik über Umweltmeteorologie und Umweltqualität bis hin zu Umweltmesstechnik.
Diese interdisziplinäre Struktur sorgt dafür, dass technische Richtlinien auf fundiertem naturwissenschaftlichem und ingenieurtechnischem Wissen basieren. In den Arbeitsgruppen werden Verfahren beschrieben, Messmethoden definiert und Qualitätsanforderungen formuliert, die in der Praxis als entscheidende Orientierung dienen. Ragnar Warnecke sieht gerade in dieser Vielfalt der Perspektiven einen wesentlichen Faktor für die Belastbarkeit der KRdL-Arbeit.
Zentrales Ergebnis dieser Tätigkeit ist das VDI/DIN-Handbuch „Reinhaltung der Luft“ mit mehr als 500 VDI-Richtlinien und 140 DIN-Normen. Regelmäßige Aktualisierungen, Workshops und Fachdiskussionen gewährleisten, dass neue Erkenntnisse zeitnah einfließen. Zudem bündelt der Förderkreis der KRdL Aktivitäten, die deutsche Positionen in europäische und internationale Normungsgremien einbringen.
Der VDI und seine Bedeutung für die Vernetzung
Der VDI e.V. bündelt mit rund 130.000 Mitgliedern ein breites multidisziplinäres technisches Netzwerk. Etwa 10.000 ehrenamtliche Expertinnen und Experten tragen die tägliche Arbeit des Verbands und prägen seine zahlreichen Fachbereiche. Diese Struktur ermöglicht es, technische Entwicklungen aus unterschiedlichen Disziplinen zu integrieren und in normative Prozesse einzubringen.
Die bundesweite Präsenz in Landesverbänden und Bezirksvereinen schafft Verbindungen zwischen regionalen Erfahrungen und übergeordneten Entwicklungen. Innerhalb dieses Netzwerks nimmt die KRdL eine besondere Rolle ein, da sie Systemwissen, Praxiserfahrung und technische Normung unmittelbar miteinander verknüpft. Ragnar Warnecke sieht in der engen Zusammenarbeit von VDI und DIN eine wesentliche Grundlage, um konsensbasierte Lösungen für zukünftige Herausforderungen der Luftreinhaltung zu entwickeln.