Die Renewable Materials Conference (RMC) 2025 gibt die sechs Nominierten für den Innovationspreis „Renewable Material of the Year 2025“ bekannt und veröffentlicht das vollständige Konferenzprogramm. Die vom nova-Institut veranstaltete RMC bringt vom 22. bis 24. September in Siegburg bei Köln zentrale Akteure aus Chemie, Materialwissenschaft, Industrie, Wissenschaft und Politik zusammen.

Mit ihrem konsequenten Fokus auf die Ablösung fossiler Kohlenstoffquellen durch Biomasse, CO₂-Nutzung und Recycling ist die RMC zu einem weltweit beachteten Treffpunkt der erneuerbaren Kohlenstoffwirtschaft geworden. Die Veranstaltung gilt als wichtigste Plattform für Unternehmen und Organisationen, die zukunftsfähige Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette entwickeln und umsetzen.
Fünf Schwerpunkte der RMC für eine fossilfreie Zukunft
Die RMC 2025 gliedert sich in fünf zentrale Themenbereiche, die die strategischen und technologischen Herausforderungen der Industrie im Wandel abbilden. Sie bieten fundierte Einblicke in Entwicklungen, Anwendungsfelder, Marktpotenziale und politische Rahmenbedingungen für erneuerbare Materialien.
Defossilisierung der chemischen Industrie
Über 90 Prozent des Kohlenstoffs in Chemikalien und Kunststoffen stammt weiterhin aus fossilen Quellen. Die RMC zeigt in 14 Vorträgen Wege auf, diesen Anteil durch biogenen, recycelten oder abgeschiedenen Kohlenstoff zu ersetzen. Im Mittelpunkt stehen alternative Rohstoffe wie biobasiertes Naphtha, elektrische Cracker, Methanol- und Ethanolpfade sowie biotechnologische Verfahren. Ergänzt wird die Session durch fünf Präsentationen zu Lignozellulose-Bioraffinerien und zur Nutzung von Lignin in industriellen Anwendungen.
Feinchemikalien: Biobasierte Lösungen im Fokus
Der globale Markt für Feinchemikalien mit einem Volumen von 180 Milliarden US-Dollar verzeichnet eine wachsende Nachfrage nach biobasierten Produkten. In sechs Vorträgen zeigen Unternehmen Fortschritte in Biokatalyse und Biotechnologie, mit denen hochreine Spezialverbindungen für Pharma, Kosmetik und Lebensmittelzusätze effizient hergestellt werden können. Im Fokus stehen Fragen zur Skalierbarkeit und Wirtschaftlichkeit nachhaltiger Verfahren.
Fossilfreie Kunststoffe für Industrie und Konsum
95 Prozent aller Kunststoffe basieren derzeit auf fossilem Kohlenstoff. Die RMC bringt Start-ups und etablierte Anbieter zusammen, die Polymerlösungen auf Basis von Biomasse, abgeschiedenem CO₂ und Recycling entwickeln. In 22 Fachvorträgen werden Anwendungen in Verpackungen, Automobilbau, Textilien und Konsumgütern präsentiert. Markeninhaber erhalten praxisnahe Einblicke in Alternativen zur fossilen Kunststoffproduktion. Diese Session bildet auch den Rahmen für die Verleihung des Innovationspreises.
Rahmenbedingungen für erneuerbaren Kohlenstoff
Welche politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen braucht es, um die Kohlenstoffwirtschaft nachhaltig zu gestalten? Die RMC widmet sich mit elf Vorträgen, Diskussionen und Workshops den Grundlagen für regulatorische Weichenstellungen, etwa im Rahmen des European Green Deal. Thematisiert werden unter anderem CO₂-Kreisläufe, Förderinstrumente und der Einfluss neuer Normen auf Industrieprozesse.
Biologisch abbaubare Materialien im Praxistest
Die Frage, in welchen Anwendungen biologische Abbaubarkeit ökologisch sinnvoll ist, steht im Zentrum dieses Themenschwerpunkts. Die RMC stellt in elf Fachbeiträgen und einem Workshop wissenschaftliche Bewertungen, politische Entwicklungen und technische Innovationen vor. Besonders im Fokus: die neue europäische Verpackungsverordnung (PPWR), die erstmals konkrete Anforderungen an biologisch abbaubare Lösungen formuliert.
Sechs nominierte Innovationen bei der RMC 2025
Das Advisory Board der RMC hat aus zahlreichen internationalen Einreichungen sechs innovative Materialien für den Preis „Renewable Material of the Year 2025“ ausgewählt. Der Preis wird von Covestro gesponsert und durch ein Live-Voting des Publikums auf der Konferenz vergeben.
Bloom Biorenewables (Schweiz)
Bloom präsentiert mit dem weltweit ersten weißen Lignin einen Inhaltsstoff, der sich durch seine antioxidativen, UV-schützenden und antimikrobiellen Eigenschaften ideal für Kosmetik eignet. Das selektive Extraktionsverfahren erhält die natürliche Struktur des Lignins und ermöglicht erstmals eine farb- und geruchsneutrale Anwendung.
www.bloombiorenewables.com
Borregaard (Norwegen)
Mit der Plattformtechnologie Bright entwickelt Borregaard funktionalisierte ligninbasierte Biopolymere, die u. a. schwer abbaubare Polycarboxylate in Reinigungsmitteln ersetzen. Das Verfahren nutzt lediglich Luft, Wasser und Energie – ohne fossile Zusatzstoffe.
www.borregaard.com
Cyclize GmbH (Deutschland)
Cyclize produziert Synthesegas aus gemischten Abfällen und CO₂ mithilfe eines energieeffizienten Plasmareformers. Das Verfahren benötigt nur ein Drittel der elektrischen Energie der Elektrolyse und liefert eine fossile Alternative für die chemische Industrie – ohne Aufpreis.
www.cyclize.de/en/
Sci-Lume Labs, Inc. (USA)
Das Polyamid Bylon wird in drei Prozessstufen aus proteinreichen Agrarabfällen hergestellt. Es bietet hohe thermische Stabilität, biogenen Kohlenstoff, Recyclingfähigkeit und potenzielle Abbaubarkeit. Dabei nutzt der Prozess bestehende industrielle Infrastruktur.
www.sci-lumelabs.com
Sustanix Materialtech BV (Niederlande)
Sustanix entwickelt pflanzenbasierte Beschichtungen für Papierverpackungen, die PFAS und Mikroplastik ersetzen. Die Formulierungen sind hydrophob, oleophob, recycelbar und industriell skalierbar – bei voller Maschinenkompatibilität.
www.sustanix.com
Trinseo PLC (Italien)
Trinseo betreibt eine neue Depolymerisationsanlage zur Herstellung von recyceltem Methylmethacrylat (rMMA) mit über 99 % Reinheit. Die innovativen Acryl-Recyclatlösungen reduzieren das Treibhauspotenzial im Vergleich zu Neuware um 47 %.
www.trinseo.com