Siemens erweitert sein Angebot im Bereich industrieller Künstlicher Intelligenz um eine neue Generation autonom agierender KI-Agenten. Diese Technologien sind in das bestehende Siemens Industrial Copilot-Ökosystem eingebettet und ermöglichen die Ausführung kompletter industrieller Prozesse ohne manuelles Eingreifen. Ziel ist es, durch die Automatisierung der Automatisierung die Produktivität in der Industrie um bis zu fünfzig Prozent zu steigern.

Im Gegensatz zu klassischen KI-Anwendungen agieren die neuen Agenten proaktiv: Sie analysieren Aufgabenstellungen, verstehen dahinterliegende Absichten, greifen auf spezialisierte digitale Werkzeuge zurück und verbessern ihr Verhalten durch kontinuierliches Lernen. Koordiniert werden sie von einem übergeordneten Orchestrator, der je nach Bedarf einzelne Agenten wie Werkzeuge gezielt einsetzt. Die Nutzerinnen und Nutzer behalten dabei jederzeit die Kontrolle über die delegierten Prozesse.
KI-Agenten treiben Automatisierung voran
Der Ansatz von Siemens unterscheidet klar zwischen den Industrial Copilots, also den Benutzerschnittstellen, und den im Hintergrund operierenden autonomen Agenten. Siemens entwickelt nicht nur digitale Agenten, sondern integriert auch physische Einheiten wie mobile Roboter. Dadurch entsteht ein umfassendes Multi-Agenten-System, in dem die einzelnen Agenten eng zusammenarbeiten, um Aufgaben entlang der gesamten industriellen Wertschöpfungskette zu bewältigen. Besonders hervorzuheben ist die Fähigkeit zur übergreifenden Orchestrierung. Siemens ermöglicht die Zusammenarbeit sowohl unter eigenen Agenten als auch mit Lösungen von Drittanbietern – ein Schritt hin zu mehr Interoperabilität in industriellen Prozessen.
Ein weiterer Bestandteil der Strategie ist der geplante Aufbau eines offenen Marktplatzes für industrielle KI-Agenten im Rahmen der Siemens Xcelerator-Plattform. Dieser Marktplatz soll es Kunden ermöglichen, auf ein wachsendes Angebot an KI-Agenten – sowohl von Siemens als auch von externen Entwicklern – zuzugreifen, um individuelle Anforderungen gezielt abzudecken.
Industrielle KI entlang der gesamten Wertschöpfungskette
Das Industrial-Copilot-System deckt alle Stufen industrieller Prozesse ab. Im Produktdesign unterstützt der Design Copilot Anwenderinnen und Anwender bei der Arbeit mit NX CAD und beschleunigt durch generative KI den Entwicklungsprozess. Die Produktionsplanung wird durch den Planning Copilot optimiert, der Ressourcen effizient zuweist und Abläufe terminiert. Für die Automatisierungstechnik steht der Engineering Copilot im TIA Portal zur Verfügung. Er generiert Automatisierungscode auf Basis natürlicher Sprache und minimiert so Fehlerquellen. Erste Anwendungen in der Prozessindustrie zeigen zudem Erfolge bei der Digitalisierung älterer P&ID-Diagramme. Mit dem Operations Copilot erhalten Fachkräfte tiefgreifende Einblicke in die Produktionsabläufe und können über Spracheingaben Informationen zur Fehlersuche abrufen. Auch der Bereich Wartung wird abgedeckt: Der Service Copilot unterstützt mit Diagnosen über den gesamten Wartungslebenszyklus hinweg – von der reaktiven bis zur präventiven Instandhaltung.
Erste Einsätze belegen den praktischen Nutzen
Bereits heute wird das System in Siemens-eigenen Fertigungsstätten sowie bei Partnerunternehmen eingesetzt. So zeigen sich bei thyssenkrupp Automation Engineering messbare Verbesserungen bei Codequalität und Entwicklungsgeschwindigkeit. Am Siemens-Standort Bad Neustadt hilft der Insights Hub Production Copilot dabei, verstreute Produktionsdaten in verwertbare Erkenntnisse zu überführen. Rainer Brehm, CEO Factory Automation bei Siemens, betont: „Mit unseren industriellen KI-Agenten gehen wir über das übliche Frage-Antwort-Paradigma hinaus und schaffen Systeme, die selbstständig komplette industrielle Workflows ausführen können.“ Weiter erklärt er: „In einer Fabrikumgebung verbinden unsere industriellen KI-Agenten verschiedene Copiloten und automatisieren Arbeitsabläufe über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. So entsteht ein einheitlicher Ansatz, der industrielle KI für jeden zugänglich macht, unabhängig von seinem technischen Hintergrund oder Erfahrungsstand.“ Siemens verfolgt damit eine klare Vision: Eine industrielle Zukunft, in der KI-Agenten die Ausführung repetitiver Prozesse übernehmen und so Freiräume für menschliche Kreativität und Problemlösung schaffen.