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FCIO – Jahrespressekonferenz der Lackindustrie

Der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) lud zur Jahrespressekonferenz und gab Rück- und Ausblick für die Berufsgruppe Lackindustrie. Die österreichische Lack- und Anstrichmittelindustrie kämpfe trotz einer positiven Entwicklung 2014 gegen verschärfte Rahmenbedingungen aus mehreren Richtungen. Nach einem leichten Abwärtstrend 2013 konnte sie für 2014 ein Umsatzplus von 2,1% bzw. eine Mengensteigerung von 5,0% verzeichnen, wenngleich eine Margenreduktion von rund 3 bis 4% eingetreten ist.Grund für letzteres sind u.a. steigende Rohstoffpreise, eine Entwicklung, die auch noch nicht zur Gänze abgeschlossen ist.

KR Ing. Hubert Culik, Obmann des Fachverbandes der Chemischen Industrie Österreichs

Umsatzplus und Mengensteigerung seine aber “angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage durchaus ein respektables Ergebnis” erklärte KR Ing. Hubert Culik, Obmann der Österreichischen Lackindustrie.

Die Exporte nach Südeuropa und in die CEE-Länder konnten sich allerdings auch 2014 nicht nennenswert erholen bzw. gingen weiter zurück. Ebenfalls negative Auswirkungen auf die Exportquote hatten die Russland-Ukraine-Krise und die gegen Russland verhängten Wirtschaftssanktionen. Erfreulich entwickelten sich hingegen die Exporte in die restlichen Teile Europas, insbesondere nach Deutschland, wo das Volumen wertmäßig um 10,0% stieg.

KFZ/Autolacke: Folgen der Ukraine-Russland-Krise immer stärker spürbar

Dr. Ernst Gruber, FCIO Obmann Stv. (Foto: Österreichische Chemie Zeitschrift)

Dr. Ernst Gruber, FCIO Obmann Stv. (Foto: Österreichische Chemie Zeitschrift)

Der Industrielackbereich und die Lackproduktion für die Automobilzulieferindustrie litten unter der generellen Stagnation der europäischen Wirtschaft und der anhaltenden Russland-Ukraine Krise. Im Vergleich zu Deutschland, wo der Bautenfarbenbereich durch das Wachstum der Bauindustrie von rund 5,0% profitierte, wuchs die Teilbranche in Österreich um lediglich 2,3%. „In Europa findet aufgrund des fehlenden Wachstums ein Verdrängungswettbewerb statt, der die Branche durch die geänderten Geschäfts- und Rahmenbedingungen (Energieeffizienzgesetz, VbF, CLP) weiter in Bedrängnis bringen wird“, so Dr. Ernst Gruber, Obmann Stellvertreter der österreichischen Lackindustrie.

Verschärfte Rahmenbedingungen und Forderungen

Neben diesen globalen Entwicklungen, die in verschiedener Ausprägung die gesamte Industrie betreffen, sieht sich die österreichische Lackindustrie in naher Zukunft mit verschiedenen Einflussfaktoren konfrontiert, auf die sie rasch Antworten finden muss. Die anstehenden Verschärfungen rechtlicher Rahmenbedingungen – wie etwa das Verbot verschiedener Lackinhaltsstoffe, die seit 1. Juni 2015 geltende Einstufungs- und Kennzeichnungsverordnung von Chemikalien (CLP-Verordnung), die neue Verpackungsabgrenzungsverordnung sowie weitere Novellen in der Gesetzgebung verschärfen die zukünftigen Anforderungen an Betriebe.

Beispielsweise sind seit 1. Jänner 2015 Definitionen für Haushaltsverpackungen und gewerbliche Verpackungen in Kraft. Mit einer Verordnungsermächtigung kann der Umweltminister Quoten festlegen, wie viel in der günstigeren Gewerbeschiene und wie viel in der teureren Haushaltsschiene zu lizensieren sei. Für die Unternehmen der Lackindustrie, die viele Gebinde bis zu 5 Liter an gewerbliche Kunden wie Tischler, Kfz-Werkstätten, Metallgewerbe usw. liefern, bedeutet dies eine Kostensteigerung um bis zu 40%! Derzeit basieren die Quoten auf einem komplett virtuellen Schlüssel, weshalb die Lackindustrie proaktiv mit dem Umweltministerium an einer Studie beteiligt ist, die klar offenlegen soll, wie viel gewerblich lizensierte Verpackung tatsächlich im Haushaltsmüll landet.

„Die heimischen Betriebe sind dank ihrer großen Innovationskraft durchaus in der Lage, all diese Herausforderungen zu meistern. Allerdings muss die Politik durch geeignete Übergangsvorschriften sicherstellen, dass die bis dato rechtskonform agierenden Unternehmen der österreichischen Lackindustrie genug Zeit haben, sich auf die neue Situation einzustellen, ohne dabei zu harte Eingriffe in ihren Produktionsabläufen hinnehmen zu müssen“, ist Dr. Albert Keiler, Obmann Stellvertreter der österreichischen Lackindustrie, überzeugt.

Im Mittelpunkt der gemeinsamen Anstrengungen müsse die Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des heimischen Standorts stehen, so Keiler weiter.

v.l.: Dr. Klaus Schaubmayr, GF Berufsgruppe Lackindustrie - Dr. Albert Keiler, FCIO Obmann Stv. (Foto: Österreichische Chemie Zeitschrift)

v.l.: Dr. Klaus Schaubmayr, GF Berufsgruppe Lackindustrie – Dr. Albert Keiler, FCIO Obmann Stv. (Foto: Österreichische Chemie Zeitschrift)

Bildungsoffensive: Neuer Lehrberuf gestartet und Bachelorlehrgang in Planung

Den wichtigsten Trumpf im Konkurrenzkampf mit Niedriglohnländern sieht die österreichische Lackindustrie in der Ausbildung hochqualifizierter Mitarbeiter. In einem ersten Schritt wurde deshalb im März dieses Jahres der neue Lehrberuf „Lack- und Anstrichmitteltechniker“ erfolgreich umgesetzt. Eine Weiterführung des alten Lehrberufes “Lack-Laborant”. Alleine in der heimischen Lack- und Anstrichmittelindustrie werden pro Jahr rund 50 Lehrlinge benötigt, die für ihre Ausbildung bisher nach Deutschland und in die Schweiz ausweichen mussten. Auch in der Holz- und Möbelindustrie, der Metallverarbeitenden Industrie sowie der Kunststoffindustrie herrscht ein hoher Bedarf an qualifizierten Fachkräften mit exzellentem Lack- und Anstrichmittel-Know-How.

Darüber hinaus ist geplant, in Kooperation mit der Fachhochschule Technikum Wien, dem Österreichischen Forschungsinstitut für Chemie und Technik (OFI) und der Universität Wien, ab 2017 das Bachelorstudium „Lack- und Beschichtungstechniker“ anzubieten. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und reichen ebenfalls von der Lackindustrie bis zur Metall-, Holz- und Möbelindustrie. Der Studiengang soll den wachsenden Bedarf an Akademikern in der Lackindustrie decken. „Die Basis für den Erfolg österreichischer Lackprodukte ist die intensive Forschungsarbeit der Unternehmen. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit Bildung und Know-how auf allerhöchstem Niveau unsere Innovationskraft in Zukunft noch weiter ausbauen können“, betont Culik.

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in unserer Ausgabe 04/2015.