• Zum Inhalt springen
  • Skip to secondary menu
  • Zur Seitenspalte springen

Die Chemie Zeitschrift Österreichs

Das unabhängige Traditionsmagazin

  • Das Magazin
    • Über die Österreichische Chemie Zeitschrift
    • 120 Jahre
    • Abonnement
    • Mediadaten
    • Online-Archiv
  • Resorts
    • Forschung
    • Foto Freitag
    • Messe
    • Publikation
    • Personalia
    • Bildung
  • Messekalender
  • Chemie-Lexikon
  • Links
    • L&B
    • labor
    • Kunststoff
  • Welkin Media Verlag
Aktuelle Seite: Start / News / Aryldiazoniumsalze: sicherere Synthesemethode durch Nitratreduktion

Aryldiazoniumsalze: sicherere Synthesemethode durch Nitratreduktion

8. Mai 2024 von Birgit Fischer

Am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung ist es gelungen, die risikobehaftete Chemie mit Aryldiazoniumsalzen deutlich sicherer zu machen. Das Mülheimer Protokoll macht die Nutzung dieser Verbindungen weniger gefährlich und eröffnet potentiell Möglichkeiten für die Entwicklung ganz neuer Reaktionen.

Aryldiazoniumsalze: sicherere Synthesemethode durch Nitratreduktion. Javier Mateos (von links), Tim Schulte und Tobias Ritter diskutieren ihre Ergebnisse im Labor. | Bild: Gombert/MPI Kofo
Javier Mateos (von links), Tim Schulte und Tobias Ritter diskutieren ihre Ergebnisse im Labor. | Bild: Gombert/MPI Kofo

„Die Lösung für das Problem hätte eigentlich schon vor 100 Jahren gefunden werden können, allerdings würde man die Reaktion, so wie sie jetzt entdeckt wurde, wohl eher nicht planen“ sagt Tobias Ritter. „Die Kombination an Chemikalien, welche im Endeffekt gute Ergebnisse liefert, wurde durch Zufall entdeckt, während wir an einem anderen Projekt gearbeitet haben“, verrät Javier Mateos. Die eingesetzten Reagenzien sind schon seit langer Zeit bekannt, allerdings hatte man ihr Potenzial für Diazoniumchemie bis jetzt schlichtweg übersehen. In der Forschung spricht man in solchen Fällen von „serendipity“, also eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem.

Schwere Unfälle durch gefährliche und explosive Chemikalien

Explosionen und Vergiftungen. Schwere Verletzungen und sogar Todesfälle. In der Geschichte der Chemieindustrie kam es immer wieder zu schlimmen Unfällen mit teils tragischem Ausgang. Ursache dafür waren oftmals gefährliche und explosive Chemikalien die für bestimmte Reaktionen benötigt werden.

Aryldiazoniumsalze, die seit 140 Jahren genutzt werden, sind solche Chemikalien. Sie sind sehr reaktiv und dadurch für die Herstellung anderer Verbindungen äußerst nützlich – Farbstoffe zum Beispiel. Die hohe Reaktivität hat allerdings zur Folge, dass isolierte Aryldiazoniumsalze nicht sehr stabil sind. Daher können sie auch ungewollt und teilweise explosionsartig reagieren. So kam es am 23.12.1969 bei der Firma Ciba AG in Basel zu einer besonders schweren Explosion mit diesen Chemikalien. Ein Gebäude wurde zerstört, schwere Metallteile des Reaktors flogen meterweit durch die Luft. Drei Arbeiter verloren damals ihr Leben, 31 wurden schwer verletzt. Trotz solcher Schreckensmeldungen wird weiterhin mit Aryldiazoniumsalzen gearbeitet.

Nutzung von Diazoniumsalzen bisher

„Normalerweise erfolgt die Nutzung von Diazoniumsalzen in zwei Schritten, man isoliert oder akkumuliert erst das Diazoniumsalz, was gefährlich ist, und setzt es dann in einem zweiten Schritt zu seinem gewünschten Produkt um. In unserem Projekt kombinieren wir die beiden Syntheseschritte und gehen zum gewünschten Produkt ohne das Diazoniumsalz zu akkumulieren, was das Risiko einer Explosion deutlich reduziert“, erklärt Tim Schulte, Doktorand aus der Gruppe von Tobias Ritter.

Traditionell werden Aryldiazoniumsalze aus Anilinen mit salpetriger Säure, oder mit Nitrit-Verbindungen synthetisiert. Diese Reaktion hat im Laufe der Jahre wenig Innovation erfahren. Die Reaktion muss bei niedrigen Temperaturen (unter 5 °C) durchgeführt werden, da die Aryldiazoniumsalze bei höheren Temperaturen instabil sind. Javier Mateos, Postdoktorand in der Arbeitsgruppe und Tim Schulte haben jedoch eine neue Methode vorgestellt, die das Vorhandensein verschiedener Nukleophile in der Reaktionsmischung ermöglicht.

Nutzung eines natürlichen Prozesses

Die neue Strategie basiert auf der Nutzung des natürlichen Prozesses der Nitratreduktion. Dieser wird in Pflanzen für den Stoffwechsel von Enzymen durchgeführt. Den Forschern ist es gelungen, den natürlichen Prozess im Reagenzglas zu kopieren und mit Aryldiazoniumchemie zu kombinieren, um so um so eine sicherere Synthesemethode zu entwickeln. Die Mülheimer überwinden so die oben genannten Einschränkungen, die mit traditionellen Methoden verbunden sind. Darunter z. B. die Temperaturempfindlichkeit und die Notwendigkeit von starken Säuren.

Dadurch, dass die Forscher in ihrem neuen Protokoll mehrere Schritte kombinieren, kommt es erst gar nicht zu größeren Konzentrationen der gefährlichen Substanz. Und nicht nur das haben die Wissenschaftler aus Mülheim entdeckt: „Wir nutzen für unsere Synthesemethode Chemikalien, die in großen Mengen in der Düngemittel- und Kraftstoffindustrie verwendet werden und damit günstig zu bekommen sind“, sagt Tim Schulte. Das könnte den Syntheseweg für Unternehmen der Chemieindustrie überaus interessant machen, da es niedrigere Produktionskosten bedeutet.

Wissenschaftlich spannend sei die neue Methode auch deswegen, weil man jetzt ganz neue chemische Ansätze verfolgen könne. Das, so Tim Schulte, sei mit der klassischen Methode aufgrund der hohen Explosionsgefahr und Instabilität der Verbindungen gar nicht möglich gewesen.

Originalpublikation:
Nitrate reduction enables safer aryldiazonium chemistry; Javier Mateos, Tim Schulte, Deepak Behera, Markus Leutzsch, Ahmet Altun, Takuma Sato, Felix Waldbach, Alexander Schnegg, Frank Neese, Tobias Ritter. IN: SCIENCE, 25. Apr. 2024, Vol 384, Issue 6694; DOI: 10.1126/science.adn7006

Kategorie: Forschung, News Stichworte: Aryldiazoniumsalze, Explosionsgefahr, Protokoll, Synthese

Seitenspalte

Messekalender

  • all about automation Berlin

    Die all about automation Berlin 2026 feiert am 28. und 29. Januar ihre Premiere in der STATION-Berlin. Als Fachmesse für Industrieautomation, […]

  • LOGISTICS & AUTOMATION Bern

    Die LOGISTICS & AUTOMATION Bern 2026 ist die größte Fachmesse für Intralogistik und Materialfluss in der Schweiz. Sie präsentiert modernste […]

  • EMPACK Bern

    Die EMPACK Bern 2026 ist der einzigartige Treffpunkt der Verpackungsindustrie in der Schweiz und bildet den gesamten Verpackungsprozess entlang der […]

  • LOPEC Kongress

    Der LOPEC Kongress 2026 findet vom 24. bis 26. Februar 2026 im Messezentrum München statt und gilt als weltweit bedeutendste Kommunikationsplattform […]

  • LOPEC

    Die LOPEC 2026 findet vom 25. bis 26. Februar 2026 in der Messe München statt und gilt als führende internationale Fachmesse mit begleitendem […]

Die aktuelle Chemie

Newsletter

  • Newsletter Anmeldung
  • Unser Newsletter-Archiv

Welkin Media News

Aktuelle Nachrichten aus unseren anderen Online-Portalen Lebensmittel-&Biotechnologie und Österreichische Kunststoffzeitschrift.

  • Thermoplastic Sandwich Moulding für Leichtbau in Kabinen
    am 16. Dezember 2025 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Thermoplastic Sandwich Moulding eröffnet neue Möglichkeiten für den Leichtbau in Flugzeugkabinen. Die am Fraunhofer IMWS entwickelte Technologie erlaubt die Verarbeitung thermoplastischer Sandwichstrukturen für kabinenspezifische Bauteile der […]

  • Anuga Frozen Food und dti intensivieren Partnerschaft
    am 15. Dezember 2025 von Birgit Fischer (Lebensmittel- & Biotechnologie)

    Anuga Frozen Food und das Deutsche Tiefkühlinstitut intensivieren ihre Partnerschaft, um die Fachmesse strategisch weiterzuentwickeln und die Tiefkühlwirtschaft mit Fokus auf Qualität, Innovation und nachhaltiges Wachstum zu stärken. Der Beitrag […]

  • Optimiertes Verfahren steigert Effizienz im Textilrecycling
    am 15. Dezember 2025 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    An der TU Wien wurde ein neuartiges Lösungsmittel aus Menthol und Benzoesäure entwickelt, das Textilrecycling erheblich verbessert und Mischtextilien nahezu vollständig trennt. The post Optimiertes Verfahren steigert Effizienz im Textilrecycling […]

  • CEM bietet 2026 ein breit gefächertes Online-Seminar Portfolio
    am 12. Dezember 2025 von Birgit Fischer (Lebensmittel- & Biotechnologie)

    Das Online-Seminar Portfolio von CEM für 2026 umfasst vielfältige Technologien aus Analytik, Synthese und Probenbearbeitung und zeigt praxisnahe Anwendungen für Labor, Forschung und Lebensmittel-Biotechnologie. Der Beitrag CEM bietet 2026 ein […]

  • Neue Ära für Digitalisierung und Kollaboration im Werkzeugbau
    am 12. Dezember 2025 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Das Symposium in Deggendorf und das neu eröffnete IWFM der TH Deggendorf setzten deutliche Impulse für Digitalisierung, Standardisierung und Kollaboration im Werkzeugbau. The post Neue Ära für Digitalisierung und Kollaboration im Werkzeugbau […]

  • L XHP Hochdruck-Schraubenverdichter für Industrieprozesse
    am 11. Dezember 2025 von Birgit Fischer (Lebensmittel- & Biotechnologie)

    Der Schraubenverdichter GEA Grasso L XHP verbindet ein optimiertes Design mit hoher Robustheit und eignet sich damit besonders für NH₃-Wärmepumpen und Hochdruck-Gasanwendungen. Die erweiterten Betriebsparameter ermöglichen vielseitige […]

  • Effiziente Trocknung mit Infrarot-Drehrohrtechnologie
    am 11. Dezember 2025 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    B.IRD Machinery stellte auf der K Messe 2025 seine Infrarot-Drehrohrtechnologie vor, die Kunststoffe schneller, energieeffizient und materialschonend trocknet und dadurch neue Maßstäbe für stabile und effiziente Verarbeitungsprozesse setzt. The […]

  • Systemtechnik für nachhaltige Effizienz in der Kunststoffproduktion
    am 10. Dezember 2025 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Auf der K 2025 zeigte ONI, wie vernetzte Systemtechnik nachhaltige Effizienz in der Kunststoffproduktion ermöglicht. Durch die Verbindung von Maschinen-, Material- und Temperierlösungen entstehen integrierte Prozesse für Qualität und […]

  • Thomas Otto beendet seine Geschäftsführertätigkeit bei Vetter
    am 10. Dezember 2025 von Birgit Fischer (Lebensmittel- & Biotechnologie)

    Thomas Otto beendet nach über 35 Jahren seine Geschäftsführertätigkeit bei Vetter. Der Übergang erfolgt strategisch geplant, während Otto das Unternehmen weiterhin beratend unterstützt. Der Beitrag Thomas Otto beendet seine […]

  • Niederösterreich stärkt Zukunft der Bahntechnologie
    am 9. Dezember 2025 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Mit einer klaren Schwerpunktsetzung auf Bahntechnologie positioniert sich Niederösterreich strategisch als zentrale Drehscheibe für Mobilität und Infrastruktur der kommenden Jahre. The post Niederösterreich stärkt Zukunft der Bahntechnologie […]

Schlagwörter

Aktuelle Nachrichten über BASF analytica Analytik Analytik Jena Anlagenbau Automation Automatisierung Awards B&R BASF Borealis BR CEM CO2 Danfoss Digitalisierung Endress+Hauser Evonik FCIO Festo Finance Forschung Foto Freitag FotoFreitag Hardware Industrie 4.0 Jubiläum KI Kreislaufwirtschaft Labortechnik LANXESS Lenzing Logistik Messe München Nachhaltigkeit OMV Personalia Publikation Pumpen Recycling Robotik Shimadzu Software Wasserstoff Webinar

Kategorien

Copyright © 2025 · WelkinMedia Fachverlag