• Zum Inhalt springen
  • Skip to secondary menu
  • Zur Seitenspalte springen

Die Chemie Zeitschrift Österreichs

Das unabhängige Traditionsmagazin

  • Das Magazin
    • Über die Österreichische Chemie Zeitschrift
    • 120 Jahre
    • Abonnement
    • Mediadaten
    • Online-Archiv
  • Resorts
    • Forschung
    • Foto Freitag
    • Messe
    • Publikation
    • Personalia
    • Bildung
  • Messekalender
  • Chemie-Lexikon
  • Links
    • L&B
    • labor
    • Kunststoff
  • Welkin Media Verlag
Aktuelle Seite: Start / Publikation / Künstliche Seide aus Kuhmolke

Künstliche Seide aus Kuhmolke

26. Januar 2017 von Birgit Fischer

Rasterelektronenmikroskop-Aufnahme einer künstlich hergestellten Mikrofaser. Bild: KTH Stockholm
Rasterelektronenmikroskop-Aufnahme einer künstlich hergestellten Mikrofaser. Bild: KTH Stockholm

Ein zentraler Prozess für die künstliche Produktion von Seide konnte nun von einem schwedisch-deutschen Forscherteam bei DESY (Deutsche Elektronen-Synchrotron – das führende deutsche Beschleunigerzentrum) entschlüsselt werden. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

„Weltweit arbeiten zahlreiche Forschergruppen daran, Seide künstlich herzustellen“, betont Ko-Autor Prof. Stephan Roth von DESY, der Adjunct Professor an der KTH Stockholm ist. „Solches Material könnte auch so modifiziert werden, dass es neue Eigenschaften bekommt, und beispielsweise für Biosensoren oder selbstauflösende Wundverbände dienen.“

Seide, als ein begehrtes Material mit erstaunlichen Eigenschaften (ultraleicht, enorm belastbar, extrem elastisch), wird bislang aufwendig aus gezüchteten Raupen gewonnen. Die Natur nachzuahmen ist in diesem Fall besonders schwierig. Das schwedische Team setzt dabei auf eine Selbstmontage des biologischen Ausgangsmaterials.

„Das ist ein im Grunde sehr einfacher Prozess“, erläutert Lundell. „Manche Proteine bilden unter den richtigen Umgebungsbedingungen von selbst Nanofibrillen. Diese Proteinfibrillen werden dann in einer Trägerflüssigkeit durch einen Kanal gepresst, in dem sie mit zusätzlichen seitlichen Wasserstrahlen so stark verdichtet werden, dass sie sich zusammenlagern und eine Faser formen.“

Dr. Fredrik Lundell | Foto: KTH
Dr. Fredrik Lundell | Foto: KTH

Mit diesem Prozess hydrodynamischer Fokussierung hatte ein Team um Lundell auch bereits künstliche Holzfasern aus Zellulosefädchen hergestellt. Tatsächlich habe der Prozess einige Gemeinsamkeit mit der Art und Weise, wie Spinnen ihre Seide produzieren erläutert Lendel.

Als Ausgangsmaterial diente den Forschern in der aktuellen Studie ein Molke-Protein, das unter dem Einfluss von Hitze und Säure Nanofibrillen bildet. Die längsten und dicksten Fibrillen entstehen bei einer Proteinkonzentration von weniger als vier Prozent in der Lösung. Sie werden im Mittel knapp 2000 Nanometer (millionstel Millimeter) lang und 4 bis 7 Nanometer dick. Bei einer Proteinkonzentration von mehr als sechs Prozent in der Lösung bleiben die Fibrillen dagegen mit durchschnittlich 40 Nanometern deutlich kürzer und werden auch nur 2 bis 3 Nanometer dick. Zudem sind sie wurmartig gekrümmt statt gerade und 15 bis 25 Mal weicher als die langen Fibrillen.

Durch die hydrodynamische Fokussierung mit Hilfe seitlicher Wasserstrahlen verknäulen sich die Proteinfibrillen zu einer Mikrofaser. Bild: DESY/Eberhard Reimann
Durch die hydrodynamische Fokussierung mit Hilfe seitlicher Wasserstrahlen verknäulen sich die Proteinfibrillen zu einer Mikrofaser. | Foto: DESY/Eberhard Reimann

Die Wissenschafter konnten mit Hilfe von PETRA III (DESYs extrem intensive Röntgenlichtquelle) beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Überraschenderweise sind Proteinfibrillen minderer Qualität dabei besser als Ausgangsmaterial geeignet, als die längsten Proteinfibrillen. Sie konnten weiters klären, warum aus den langen, geraden Fibrillen schlechtere Fasern entstehen als aus den kurzen, gekrümmten.

„Die krummen Nanofibrillen verhaken sich viel besser miteinander als die geraden. Im Röntgenstreubild sieht man, dass die Struktur der gekrümmten Fibrillen auch in der fertigen Faser erhalten bleibt“, berichtet Ko-Autor Roth, der die DESY-Messstation P03 leitet, an der die Versuche stattfanden.

Dr. Christofer Lendel | Foto: Peter Ardell
Dr. Christofer Lendel | Foto: Peter Ardell

„Die stärksten Fasern entstehen bei einer ausgewogenen Balance zwischen einer geordneten Nanostruktur des Materials und einer Verflechtung der Fibrillen“, ergänzt Lendel.

„Natürliche Seide hat eine noch komplexere Struktur aus evolutionär optimierten Proteinen. Sie fügen sich so zusammen, dass es sowohl Regionen mit starker Ordnung gibt, sogenannte Beta-Sheets, die der Faser Stärke verleihen, als auch Regionen mit geringer Ordnung, die der Faser Flexibilität geben. Die Faserstrukturen der künstlichen und der natürlichen Seide unterscheiden sich allerdings wesentlich. Insbesondere haben die Proteinketten in natürlicher Seide eine größere Zahl intermolekularer Wechselwirkungen, die die Proteine verbinden und zu einer stärkeren Faser führen.“

„Wir haben das Molkeprotein benutzt, um das zu Grunde liegende Prinzip zu verstehen“, erläutert Lendel. „Der gesamte Prozess lässt sich nun optimieren, um Fasern mit besseren oder maßgeschneiderten Eigenschaften herzustellen.“ In den Laborversuchen entstanden etwa fünf Millimeter lange künstliche Seidenfasern von mittlerer Qualität. Die Erkenntnisse könnten dabei auch der Entwicklung anderer Materialien mit neuartigen Eigenschaften dienen, etwa künstlichem Gewebe für die Medizin.

[alert-warning]Publikation:

Ayaka Kamada, Nitesh Mittal, L. Daniel Söderberg, Tobias Ingverud, Wiebke Ohm, Stephan Roth, Fredrik Lundell, Christofer Lendel.
Flow-assisted assembly of nanostructured protein microfibers.

in Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 2017.

DOI: 10.1073/pnas.1617260114[/alert-warning]

Kategorie: News, Publikation Stichworte: DESY, KTH, Materialforschung, Publikation, Werkstoffwissenschaften

Seitenspalte

Messekalender

  • wire

    Die wire 2026 findet vom 13. bis 17. April 2026 in Düsseldorf statt und gilt als Weltleitmesse für Draht- und Kabeltechnologien. Rund 1.500 […]

  • Tube

    Die Tube 2026, Weltleitmesse der Rohrindustrie, findet vom 13. bis 17. April 2026 in Düsseldorf statt. Rund 1.200 Aussteller aus 54 Ländern […]

  • ISEC

    Die ISEC 2026 – International Sustainable Energy Conference findet vom 14. bis 16. April im Messecongress Graz statt und widmet sich erneuerbarer […]

  • MEORGA MSR Wien

    Die MEORGA MSR-Spezialmesse 2026 ist eine Fachveranstaltung für Mess-, Steuerungs- und Regeltechnik, Prozessleitsysteme sowie Automatisierungs- und […]

  • SchraubTec Stuttgart

    Die SchraubTec Stuttgart 2026 ist die regionale Fachmesse für sichere Schraubverbindungen und industrielle Verschraubungstechnik. Am 16. April 2026 […]

Die aktuelle Chemie

Ausgabe 01 2026

Newsletter

  • Newsletter Anmeldung
  • Unser Newsletter-Archiv

Welkin Media News

Aktuelle Nachrichten aus unseren anderen Online-Portalen Lebensmittel-&Biotechnologie und Österreichische Kunststoffzeitschrift.

  • Wir sind umgezogen
    am 9. März 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Werte Leserinnen und Leser, ab sofort finden Sie alle aktuellen Nachrichten aus der Kunststoffindustrie direkt auf https://www.welkinmedia.at/kunststoff/ The post Wir sind umgezogen appeared first on Österreichische Kunststoffzeitschrift.

  • Wir sind umgezogen
    am 9. März 2026 von Birgit Fischer (Lebensmittel- & Biotechnologie)

    Werte Leserinnen und Leser, ab sofort finden Sie alle aktuellen Nachrichten aus der Lebensmittel- & Biotechnologie direkt auf https://www.welkinmedia.at/biotech/ Der Beitrag Wir sind umgezogen erschien zuerst auf Lebensmittel- & […]

  • Biochemistry 2026 von Struktur zu biologischer Funktion
    am 9. März 2026 von Birgit Fischer (Lebensmittel- & Biotechnologie)

    Die Konferenz Biochemistry 2026 bringt führende Wissenschaftler und Nachwuchstalente zusammen, um aktuelle Entwicklungen von chemischen Strukturen zu biologischen Funktionen zu diskutieren. Vorträge und Poster ermöglichen den Austausch zwischen […]

  • Produktionsreste werden zum Rohstoff
    am 9. März 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Rondo Plast und Modulpac zeigen, wie Kreislaufwirtschaft in der Praxis funktioniert: Produktionsreste aus PP und PE werden sortenrein erfasst, aufbereitet und als hochwertige Rezyklate wieder in die Wertschöpfungskette integriert. The post […]

  • Partnerschaft schließt Kreislauf für Umreifungsbänder
    am 6. März 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Excerpt: re-strap und Teufelberger vereinbaren eine langfristige Partnerschaft, um gebrauchte Umreifungsbänder aus dem deutschen Markt hochwertig zu recyceln und als Rohstoff wieder in die Produktion neuer Umreifungsbänder zurückzuführen. The […]

  • CO-Laser ermöglicht klebstofffreie Papierverpackungen
    am 5. März 2026 von Birgit Fischer (Lebensmittel- & Biotechnologie)

    Im Fraunhofer-Projekt PAPURE entstehen klebstofffreie Papierverpackungen durch den Einsatz eines CO-Lasers. Das Verfahren ermöglicht das stoffschlüssige Fügen ohne Fremdstoffe und verbessert die Recyclingfähigkeit sowie die industrielle […]

  • XELAMID als neue stoßmodifizierte PA-Familie
    am 5. März 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    XELAMID ist die neue stoßmodifizierte PA-Familie von Xenia auf Basis von PA11 und PA12. Die Werkstoffe kombinieren mechanische Leistungsfähigkeit, geringe Dichte sowie ausgewogene Eigenschaften für Anwendungen in Sport, Konsum und Industrie. The […]

  • Temperaturindikatoren als Alternative zum Datenlogger
    am 4. März 2026 von Birgit Fischer (Lebensmittel- & Biotechnologie)

    Temperaturindikatoren von CiK Solutions machen Temperaturabweichungen bei Arzneimitteln, Lebensmitteln und Chemikalien sofort sichtbar. Durch irreversible Farbänderung ermöglichen sie eine manipulationssichere Sichtkontrolle und reduzieren Aufwand […]

  • Dirk Musser übernimmt Führung bei KraussMaffei
    am 4. März 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Dirk Musser übernimmt zum 1. April 2026 die Führung bei KraussMaffei Technologies. Er folgt auf Jörg Stech, der das Unternehmen seit 2023 stabilisierte und strategisch neu ausrichtete. The post Dirk Musser übernimmt Führung bei KraussMaffei […]

  • Länderübergreifende Perspektiven für Kreislaufwirtschaft
    am 3. März 2026 von Birgit Fischer (Österreichische Kunststoffzeitschrift)

    Internationale Kooperationen zwischen Politik, Industrie und Wissenschaft prägen die Circular Valley Convention 2026. Im Mittelpunkt stehen gemeinsame Projekte, Projektgruppen und praxisnahe Lösungen für Europas Schlüsselindustrien im Kontext […]

[facetwp facet=“categories“]

Schlagwörter

Aktuelle Nachrichten über BASF analytica Analytik Analytik Jena Anlagenbau Automation Automatisierung Awards B&R BASF Borealis BR CEM CO2 Danfoss Digitalisierung Elektrolyse Endress+Hauser Evonik FCIO Festo Finance Forschung Foto Freitag FotoFreitag Hardware Industrie 4.0 Jubiläum KI Kreislaufwirtschaft LANXESS Lenzing Logistik Messe München Nachhaltigkeit novaInstitut OMV Personalia Publikation Pumpen Recycling Shimadzu Software Wasserstoff Webinar

Kategorien

Copyright © 2026 · WelkinMedia Fachverlag