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Lipide

25. März 2026 von Lexikon

Lipide sind eine vielfältige Gruppe überwiegend wasserunlöslicher Naturstoffe, die sich gut in unpolaren, also lipophilen Lösungsmitteln lösen. Ihre geringe Polarität beruht meist auf langen Kohlenwasserstoffketten, die einen großen Teil der Molekülstruktur ausmachen. In lebenden Organismen treten Lipide vor allem als Bausteine von Zellmembranen, als Speicher für chemische Energie und als Signalmoleküle auf. Viele Vertreter sind amphiphil, besitzen also einen polaren „Kopf“ und einen unpolaren „Schwanz“ und können deshalb in Wasser Strukturen wie Mizellen und Doppelschichten bilden. Fette im engeren Sinn, die Triacylglycerole, stellen dabei nur eine Untergruppe der Lipide dar. Üblicherweise werden Lipide in verseifbare und nicht verseifbare Stoffe eingeteilt sowie weiter in Stoffklassen wie Fettsäuren, Triacylglycerole, Wachse, Phospholipide, Sphingolipide, Lipopolysaccharide und Isoprenoide untergliedert.

Definition und Einteilung der Lipide

Unter Lipiden versteht man überwiegend hydrophobe Naturstoffe, die in Wasser praktisch unlöslich sind, sich aber gut in lipophilen Lösungsmitteln wie etwa Chloroform lösen. Ursache ist der große Anteil unpolarer Kohlenwasserstoffreste. Viele biologische Lipide sind amphiphil aufgebaut und besitzen eine polare Kopfgruppe und eine unpolare Kohlenwasserstoffkette. In wässriger Umgebung ordnen sich solche Moleküle so an, dass der hydrophile Teil mit dem Lösungsmittel in Kontakt steht, während die hydrophoben Reste abgeschirmt werden. Auf diese Weise entstehen Mizellen oder Lipiddoppelschichten, die die Grundlage aller Biomembranen mit Ausnahme derjenigen von Archaeen bilden. In der biochemischen Praxis unterscheidet man verseifbare Lipide mit Esterbindungen, etwa Fette, Wachse und Phospholipide, von nicht verseifbaren Lipiden wie Steroiden und anderen Isoprenoiden.

Sowohl Myristinsäure (eine gesättigte Fettsäure) als auch Myristoleinsäure (eine ungesättigte Fettsäure) haben 14 Kohlenstoffatome. Myristoleinsäure weist im Gegensatz zur Myristinsäure eine Doppelbindung auf. | CC0 – via https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Fetts%C3%A4uren-beispiel.svg
Sowohl Myristinsäure (eine gesättigte Fettsäure) als auch Myristoleinsäure (eine ungesättigte Fettsäure) haben 14 Kohlenstoffatome. Myristoleinsäure weist im Gegensatz zur Myristinsäure eine Doppelbindung auf.| CC0 – via Creativ Commons

Wichtige Gruppen der Lipide

Fettsäuren

Fettsäuren sind meist unverzweigte Monocarbonsäuren mit einer unterschiedlich langen Kohlenwasserstoffkette und einer Carboxygruppe am Kettenende. Man unterscheidet gesättigte Fettsäuren ohne Doppelbindungen von ungesättigten Fettsäuren, die eine oder mehrere Doppelbindungen besitzen. In der Natur liegen diese Doppelbindungen überwiegend in cis-Konfiguration vor. Mit steigender Zahl an Doppelbindungen sinkt typischerweise der Schmelzpunkt. Einige ungesättigte Fettsäuren können vom tierischen Organismus nur eingeschränkt selbst gebildet werden und müssen über die Nahrung zugeführt werden. Solche Verbindungen werden als essentielle Fettsäuren bezeichnet.

Allgemeine Struktur der Triacylglycerole.
Die Seitenketten R1, R2 und R3 stehen für Alkylreste der Fettsäuren. | CC0 – via  https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Fat_structural_formulae_V3.svg
Allgemeine Struktur der Triacylglycerole.
Die Seitenketten R1, R2 und R3 stehen für Alkylreste der Fettsäuren. | CC0 – via Creativ Commons

Triacylglycerole als Speicherlipide

Triacylglycerole, auch Triglyceride genannt, dominieren die Lipide der Nahrung und stellen den wichtigsten Energiespeicher vieler Organismen dar. Sie bestehen aus Glycerol, das über Esterbindungen mit drei Fettsäuren verknüpft ist. Bei Raumtemperatur werden flüssige Triacylglycerole als Öle und feste als Fette bezeichnet. Im Stoffwechsel können Kohlenhydrate wie Glucose in Triacylglycerole umgewandelt und so langfristig gespeichert werden, während Glykogen nur eine vergleichsweise kleine, kurzfristig verfügbare Reserve darstellt. Darüber hinaus tragen Fettdepots zur Wärmedämmung bei, polstern die Haut und umgeben empfindliche Organe als mechanischer Schutz. Bei der Verseifung von Triacylglycerolen entstehen Glycerin und die Salze der Fettsäuren.

Wachse

Wachse sind in der Regel Einfachester aus langkettigen Fettsäuren und langkettigen Alkoholen. Im Unterschied zu Triacylglycerolen sind sie meist härter und weniger ölig sowie oft poröser. Neben dieser chemischen Definition gibt es eine breiter gefasste Beschreibung, die Wachse über ihre physikalisch mechanischen Eigenschaften bestimmt. Demnach handelt es sich um Stoffe, die bei Raumtemperatur fest bis brüchig, knetbar und nicht glasartig sind, eine kristalline Struktur besitzen, über einem charakteristischen Schmelzpunkt ohne Zersetzung schmelzen und sich knapp darüber leicht flüssig verhalten. Ihre Konsistenz und Löslichkeit hängen stark von der Temperatur ab und unter Druck können sie poliert werden.

Allgemeine Strukturformel von Bienenwachsen | CC0 – via https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Wachs_-_Wax.svg
Allgemeine Strukturformel von Bienenwachsen | CC0 – via Creativ Commons
Unterschiedliche Strukturen, die Phospholipide in wässrigen Lösungen annehmen können. Die Kreise sind hydrophile Köpfe und die gewellten Linien sind die hydrophoben Fettsäureketten.  | CC0 – via https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Phospholipide_in_Wasser.svg
Unterschiedliche Strukturen, die Phospholipide in wässrigen Lösungen annehmen können. Die Kreise sind hydrophile Köpfe und die gewellten Linien sind die hydrophoben Fettsäureketten. | CC0 – via Creativ Commons

Membranbildende Lipide

Membranbildende Lipide zeichnen sich durch ihren amphiphilen Aufbau aus. In Wasser ordnen sie sich bevorzugt zu Strukturen an, in denen die hydrophilen Kopfgruppen nach außen zeigen, während die hydrophoben Schwänze vom Lösungsmittel abgeschirmt sind. So bilden sie entweder kugelförmige Mizellen oder Doppelschichten. Letztere sind die Grundlage nahezu aller biologischen Membranen und ermöglichen die Abgrenzung des Zellinneren von der Umgebung. Zu den wichtigsten membranbildenden Lipiden gehören Phospholipide, Sphingolipide und Glycolipide.

Phospholipide als Membranbausteine

Phospholipide stellen die zentrale Lipidkomponente der meisten Biomembranen dar. Zu ihnen zählen insbesondere die Phosphoglyceride und die Sphingomyeline. Die Phosphoglyceride leiten sich von der Phosphatidsäure ab, die strukturelle Ähnlichkeiten zu Triacylglycerolen aufweist, jedoch an der dritten Hydroxygruppe des Glycerols eine Phosphatgruppe trägt. Diese Lipide gehören zur Gruppe der Glycerolipide. Sphingomyeline besitzen dagegen ein Sphingosin-Grundgerüst und unterscheiden sich so deutlich von Glycerolipiden, werden aber ebenfalls den Phospholipiden zugerechnet. Allen Phospholipiden gemeinsam ist eine hydrophile Phosphorsäurediesterkopfgruppe und ein hydrophober Teil aus Fettsäuren oder Sphingosin. Dieser Aufbau führt dazu, dass sie sich in wässriger Umgebung zu Doppelschichten organisieren, bei denen der hydrophobe Abschnitt zur Membraninnenseite weist. Wichtige Vertreter im Membranaufbau sind Phosphatidylcholin, Phosphatidylethanolamin, Phosphatidylserin und Sphingomyeline. Bestimmte Phosphoglyceride wie Phosphatidylinositole spielen darüber hinaus eine zentrale Rolle in intrazellulären Signalwegen.

Sphingolipide und Glycolipide

Sphingolipide besitzen ein Grundgerüst aus Sphingosin, an das eine Fettsäure gebunden ist. Je nach weiterer Substitution unterscheidet man Ceramide, Sphingomyeline und Glycolipide. Viele Sphingolipide kommen in hoher Konzentration im Nervengewebe vor und sind dort sowohl am Membranaufbau als auch an der Signalübertragung und der Interaktion zwischen Zellen beteiligt. Glycolipide enthalten keinen Phosphatrest, sondern einen Kohlenhydratanteil, der glycosidisch an die Sphingosinstruktur gebunden ist. Dieser Zuckeranteil ragt häufig aus der äußeren Seite biologischer Membranen heraus und wird für die Kommunikation und Erkennung zwischen Zellen verantwortlich gemacht.

Etherlipide

Etherlipide sind charakteristisch für Archaeen, deren Membranen sich von denen der Bakterien und Eukaryoten unterscheiden. Sie enthalten Glycerol, das über Etherbindungen mit Isoprenoideinheiten verknüpft ist. In Eukaryoten treten Etherlipide nur in vergleichsweise geringen Mengen auf.

Isoprenoide Lipide

Isoprenoide Lipide basieren auf Einheiten des Isoprens. Zu ihnen zählen Steroide, Terpene, Terpenoide und Carotinoide. Die zu den Tetraterpenen zählenden Carotinoide bestehen aus 40 Kohlenstoffatomen, wohingegen Steroide von Triterpenoiden (30 C-Atome) abstammen

Strukturformel von Steran | CC0 – via https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Steran2.svg
Strukturformel von Steran | CC0 – via Creativ Commons

Steroide

Steroide besitzen ein Gerüst aus vier miteinander verbundenen Kohlenstoffringen. Ein zentrales Beispiel ist Cholesterin, das als Membranbestandteil und in Form von Cholesterinestern vorkommt und Vorstufe vieler anderer Steroide ist. Zu diesen gehören Gallensäuren für die Fettverdauung, Sexualhormone, die Fortpflanzung und sekundäre Geschlechtsmerkmale steuern, sowie Vitamin D und verschiedene tierische, pflanzliche und pilzliche Sterine.

Carotinoide

Carotinoide sind aus Isopreneinheiten aufgebaute Tetraterpene, die Pflanzen, Bakterien und Pilzen ihre gelben bis roten Farben verleihen. Sie sind an der Lichtabsorption beteiligt und schützen vor oxidativem Stress, da sie reaktive Sauerstoffspezies abfangen können. Über die Nahrung gelangen sie in den tierischen Organismus; das wichtigste Carotinoid ist β Carotin, das zu Retinal und damit zu einem Baustein des Sehpigments Rhodopsin umgesetzt werden kann.

β-Carotin | CC0 – via https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Struktur_Beta-Carotin.svg
β-Carotin | CC0 – via Creativ Commons

Biologische Funktionen der Lipide

Lipide dienen als konzentrierte Energieträger, als langfristige Energiespeicher und als Bausteine biologischer Membranen. Sie wirken außerdem als Signalmoleküle, Hormone, Gewebshormone, fettlösliche Vitamine, Cofaktoren und Pigmente. Ein Teil dieser Verbindungen wird im Körper synthetisiert, andere müssen über die Nahrung aufgenommen werden und gelten als essentiell.

Essentielle Fettsäuren

Essentielle Fettsäuren sind mehrfach ungesättigte Verbindungen, bei denen der menschliche Stoffwechsel bestimmte Doppelbindungen nicht selbst einführen kann. Dazu zählen Omega 3 und Omega 6 Fettsäuren wie Linolensäure, Eicosapentaensäure, Docosahexaensäure, Linolsäure und Arachidonsäure, aus der unter anderem Eikosanoide als Gewebshormone entstehen. Sie kommen vor allem in fettreichen Fischen, pflanzlichen Ölen und Samen vor und sind an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt, sodass Störungen im Verhältnis ihrer Aufnahme gesundheitliche Folgen haben können.

Fettlösliche Vitamine

Vitamin A unterstützt nicht nur den Sehvorgang, sondern auch das Wachstum von Haut und Schleimhäuten. Das als Prohormon wirkende Vitamin D ist dagegen essenziell für stabile Knochen, da es Calcium und Phosphor reguliert. Ergänzend dazu bietet Vitamin E als Antioxidans Schutz vor oxidativen Schäden, und Vitamin K übernimmt eine zentrale Rolle bei der Blutgerinnung

Der vorliegende Text stellt eine vollständig überarbeitete und neu strukturierte Fassung des Wikipedia-Artikels „Lipide“ dar. Er unterliegt der Lizenz CC BY-SA 3.0 und enthält keine inhaltlichen Ergänzungen über die Originalquelle hinaus. Stand: 30.11.2025

Kategorie: Lexikon Stichworte: Lipide

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