
Polyethylen, auch als Polyethen bezeichnet, ist ein thermoplastischer Kunststoff, der durch die Polymerisation von Ethen (C2H4) hergestellt wird. Als teilkristallines, unpolares Material zählt es zur Familie der Polyolefine. Mit seiner vielseitigen Verwendbarkeit ist Polyethylen heute der weltweit am häufigsten eingesetzte Standardkunststoff. Er begegnet uns in Form von Folien, Verpackungen, Rohren und vielen weiteren Produkten des Alltags.
Aufbau und Typen
Molekulare Struktur

Die Eigenschaften von Polyethylen hängen stark von der Anordnung und Verzweigung seiner Polymerketten ab. Eine höhere Kristallinität entsteht durch lineare Kettenstrukturen, während stark verzweigte Ketten die Dichte und Kristallinität senken. Daraus resultieren unterschiedliche mechanische und thermische Eigenschaften.
Wichtige Polyethylen-Typen
Polyethylen wird je nach Struktur und Molmasse in verschiedene Typen unterteilt:
- PE-LD (Low Density): stark verzweigt, länge Seitenketten, geringe Dichte, weich und flexibel

- PE-LLD (Linear Low Density): leicht verzweigt, mittlere Dichte, elastisch und zugfest
- PE-HD (High Density): nahezu linear, kurze Seitenketten, hohe Dichte, hart und chemikalienresistent
- PE-UHMW (Ultra High Molecular Weight): extrem lange Ketten, verschleißfest und hoch belastbar, alternativ PE-HMW (High molecular Weight)
- PE-X (vernetztes PE): hohe Kratzfestigkeit, hitzebeständig und formstabil
Eigenschaften
Mechanische und thermische Merkmale
Polyethylen kombiniert eine hohe Schlagzähigkeit mit guter Dehnbarkeit, bleibt jedoch vergleichsweise weich und wenig steif. Der Elastizitätsmodul variiert je nach Typ zwischen etwa 200 N/mm² (bei PE-LD) und bis zu 1000 N/mm² (bei PE-HD). Die Dehnung an der Streckgrenze liegt typischerweise zwischen 12 und 20 Prozent, die Zugfestigkeit zwischen 8 und 30 N/mm². Bei andauernder Krafteinwirkung zeigt Polyethylen eine ausgeprägte Kriechverformung. Die Formstabilität ist temperaturabhängig und geht oberhalb von 80 Grad Celsius, je nach Typ auch schon früher, deutlich verloren.
Chemische Beständigkeit
Die unpolare Struktur verleiht Polyethylen eine hohe Resistenz gegenüber einer Vielzahl chemischer Substanzen, darunter konzentrierte Säuren, Laugen und zahlreiche organische Lösungsmittel. Die Wasseraufnahme liegt meist unter 0,01 %, was eine hohe Feuchtigkeitsbeständigkeit gewährleistet. Zudem besitzt Polyethylen eine geringe Permeabilität für polare Gase wie Wasserstoff oder Ammoniak, während unpolare Gase wie Sauerstoff besser durchdringen können. Aus diesem Grund wird PE auch in Verpackungen verwendet
Man kann Polyethylen durch eine einfache Brandprobe identifizieren: Es brennt mit heller, tropfender Flamme und verströmt einen Geruch, der an Kerzenwachs erinnert. Das gleiche gilt für Polypropylen (PP).
Elektrische und optische Eigenschaften
Polyethylen ist ein ausgezeichneter elektrischer Isolator mit guter Kriechstromfestigkeit. Optisch reicht das Spektrum von durchsichtig bis milchig-trüb, abhängig von Kristallinität und Dicke des Materials.
Herstellung Verfahren
Hersteller erzeugen Polyethylen durch die Polymerisation von Ethen und setzen dabei je nach gewünschtem Produkttyp unterschiedliche Verfahren ein. Das Hochdruckverfahren nutzt sehr hohe Drücke und Temperaturen, um mittels radikalischer Mechanismen vor allem PE-LD herzustellen, das sich durch eine stark verzweigte Struktur und niedrige Dichte auszeichnet. Im Gegensatz dazu erfolgt die Produktion von PE-HD, PE-LLD und weiteren spezialisierten Polyethylen-Formen im Niederdruckverfahren. Dieses basiert auf dem Einsatz von Katalysatoren wie Ziegler-Natta-, Phillips- oder Metallocen-Katalysatoren, die eine gezielte Steuerung der Polymerstruktur unter milden Reaktionsbedingungen ermöglichen. Hersteller können Polyethylen auch aus biogenem Ethylen herstellen, das sie durch Dehydratisierung von Bioethanol erzeugen. Dieses sogenannte Bio-PE produzieren sie bislang jedoch nur in geringem Umfang industriell.
Verarbeitung
Polyethylen wird mit allen gängigen Kunststoffverarbeitungstechniken wie Spritzgießen, Extrudieren oder Blasformen. Die Nachbearbeitung umfasst Schweißen, Bedrucken und Zerspanen. Das Schweißen erfolgt meist durch Wärmeeinwirkung, das Bedrucken erfordert eine Vorbehandlung der Oberfläche.
Anwendungen
Konsumgüter und Verpackung
Je nach Typ wird Polyethylen für Frischhaltefolien, Tragetaschen, Flaschen, Rohre und Container verwendet. PE-HD ist dabei besonders stabil, PE-LD flexibel, PE-LLD dehnbar und PE-UHMW extrem abriebfest. In der Verpackungsindustrie kommen auch Verbundmaterialien zum Einsatz, bei denen PE als Schutz- oder Dichtungsschicht dient.
Technische und industrielle Nutzung
PE-X findet Anwendung in der Haustechnik, z. B. für Wasserleitungen, aufgrund seiner hohen Temperaturbeständigkeit. In der chemischen Industrie wird PE für Dichtungen, Membranen und Behälter verwendet. Spezialfasern aus PE-UHMW kommen in der Seil- und Textiltechnik zum Einsatz.
Modifikationen von PE
Chemische Veränderung
Polyethylen lässt sich durch Copolymerisation mit anderen Monomeren sowie nachträgliche Reaktionen wie Vernetzung, Chlorierung oder Sulfochlorierung gezielt modifizieren. Dadurch entstehen Materialien mit besonderen Eigenschaften wie UV-Beständigkeit, Elastizität oder verbesserter Haftung.
Copolymere
Durch die Zugabe von Comonomeren wie Buten oder Vinylacetat entstehen Copolymere mit geringerer Kristallinität und modifizierten thermischen sowie mechanischen Eigenschaften. Metallocen-Copolymere zeichnen sich durch besonders gleichmäßige Struktur und hohe Qualität aus.
Vernetztes Polyethylen (PE-X)
PE-X entsteht durch nachträgliche Vernetzung und ist aufgrund seiner hohen Temperaturstabilität und chemischen Beständigkeit besonders in der Haustechnik und Industrie gefragt. Je nach Verfahren unterscheidet man Peroxid-, Silan-, Strahlen- und Azovernetzung.
Umweltaspekte
Polyethylen ist äußerst widerstandsfähig gegenüber biologischem, chemischem und physikalischem Abbau, was es besonders langlebig und robust macht. Da Polyethylen sehr beständig ist, zersetzt es sich in der Umwelt kaum und reichert sich über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte in Böden, Gewässern und Ozeanen an. Weltweit zählt Polyethylen zu den am häufigsten gefundenen Kunststoffabfällen, insbesondere in Form von Mikroplastik, das durch mechanische Zersetzung entsteht. Die Recyclingquoten für Polyethylen sind vergleichsweise gering, da es zwar technisch gut wiederverwertbar ist, in der Praxis jedoch häufig mit anderen Stoffen verunreinigt oder vermischt wird. Thermisches Recycling und die Herstellung minderwertiger Rezyklate sind deshalb weit verbreitet. Um diesem Problem zu begegnen, wird vermehrt an biologisch basierten Varianten wie Bio-PE sowie an verbesserten Sammel-, Sortier- und Recyclingverfahren gearbeitet. Ziel ist es, die Umweltbelastung durch Polyethylen langfristig zu senken und den Materialkreislauf zu schließen.
Der vorliegende Text stellt eine vollständig überarbeitete und neu strukturierte Fassung des Wikipedia-Artikels „Polyethylen“ dar. Er unterliegt der Lizenz CC BY-SA 3.0 und enthält keine inhaltlichen Ergänzungen über die Originalquelle hinaus. Stand: 26.07.2025